Blues Highlights Februar 2026

Zwischen Legende, Southern Soul und Chicago-Kante

Drei Alben, drei sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Blues. Dion blickt mit Erfahrung und Songwritergröße zurück und nach vorn. Zac Harmon verbindet Südstaaten-Wurzeln mit zeitgemäßer Produktion. Toronzo Cannon bringt Chicago-Blues mit politischer Klarheit und urbaner Energie auf den Punkt. Diese Auswahl zeigt, wie breit und lebendig das Genre heute aufgestellt ist.

Dion – Stomping Ground

Stomping Ground ist weit mehr als ein weiteres Bluesalbum. Es ist eine All-Stars-Produktion. Dion versammelt eine beeindruckende Garde von Blues- und Rockgrößen um sich. Musiker wie Eric Clapton, Joe Bonamassa, Peter Frampton, Billy Gibbons, Joe Louis Walker, Keb’ Mo’ und andere setzen auf diesem Album deutliche Akzente.Doch das Entscheidende: Es wirkt nie wie eine Namedropping-Show. Jeder Gast fügt sich in das Konzept ein. Die Gitarren ergänzen sich, statt zu konkurrieren. Dions Stimme bleibt das Zentrum. Die Songs stehen über der Virtuosität. Gerade dadurch gewinnt das Album an Größe. Es ist ein Werk, das Generationen verbindet. Ein Dialog zwischen Ikonen, getragen von Respekt vor dem Blues und Freude am gemeinsamen Spiel.

Kurzportrait: Dion gehört zu den prägenden Stimmen amerikanischer Pop- und Rockgeschichte. In den letzten Jahren hat er sich konsequent dem Blues gewidmet und dabei eine späte, beeindruckende künstlerische Phase erreicht. Was ihn auszeichnet, ist nicht nur seine Stimme, sondern sein Gespür für musikalische Partnerschaften.

Empfehlung: Für Hörer, die große Namen schätzen, aber vor allem starke Songs hören wollen.

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Zac Harmon – Floreada’s Boy

Floreada’s Boy ist ein sehr persönliches Album. Schon der Titel verweist auf familiäre Wurzeln. Harmon arbeitet hier weniger mit Gitarren-Showeffekten als mit Atmosphäre, Groove und erzählerischer Struktur. Sein Gitarrenspiel bleibt kontrolliert und songdienlich. Er setzt Akzente, statt Dauerfeuer zu liefern.Musikalisch bewegt sich das Album klar im Southern-Blues-Kosmos, aber mit deutlichen Soul-Elementen. Orgelteppiche, Background-Vocals und warme Arrangements schaffen Tiefe. Harmon nutzt Dynamik statt Lautstärke. Die Songs sind klar gebaut, mit Refrains, die tragen, ohne aufdringlich zu sein.Wichtig ist auch die thematische Ebene. Harmon erzählt von Herkunft, Identität und familiären Prägungen. Das Album wirkt wie eine musikalische Selbstverortung. Kein stilistisches Experiment, sondern eine bewusste Standortbestimmung.

Kurzportrait: Zac Harmon stammt aus Jackson, Mississippi, und ist nicht nur Gitarrist und Sänger, sondern auch ein erfahrener Songwriter und Produzent. Er hat Gospel, Soul und Southern R&B im Blut, bevor er sich endgültig im Blues positionierte. Diese Herkunft hört man in seiner Musik deutlich.

Empfehlung: Für Hörer, die Blues mit Soul-Struktur, erzählerischem Gewicht und musikalischer Reife suchen.

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Toronzo Cannon – Shut Up & Play!

Shut Up & Play! ist ein klares Statement-Album. Der Titel spielt mit der Erwartung, Musiker sollten sich auf Unterhaltung beschränken. Cannon macht das Gegenteil. Er verbindet Gitarrenpower mit inhaltlicher Haltung. Sein Gitarrenspiel ist markant, oft mit hartem Anschlag und kantigem Ton. Er arbeitet weniger mit Vintage-Nostalgie als mit direkter, moderner Produktion. Die Rhythmusgruppe ist kompakt, manchmal fast rockig, ohne die Blues-Struktur zu verlassen.Textlich bleibt Cannon konkret. Er schreibt über gesellschaftliche Spannungen, persönliche Verantwortung und urbane Realität. Seine Songs sind nicht abstrakt. Sie benennen Dinge. Das unterscheidet ihn von vielen Kollegen, die sich rein auf Liebes- oder Partythemen konzentrieren.Dieses Album steht in seiner Entwicklungslinie für Klarheit und Selbstbewusstsein. Cannon muss sich stilistisch nicht mehr definieren. Er nutzt den Blues als Ausdrucksmittel, nicht als Museumssprache.

Kurzportrait: Toronzo Cannon ist fest in der Chicago-Szene verankert. Er steht in der Tradition elektrischer South- und West-Side-Blues-Gitarristen, bringt aber eine zeitgenössische Perspektive ein. Neben seiner Musikerlaufbahn arbeitete er lange im öffentlichen Dienst Chicagos. Dieser Realitätsbezug prägt seine Texte.

Empfehlung: Für Hörer, die Chicago-Blues mit Gegenwartsbezug, scharfem Gitarrenton und klarer Haltung wollen.

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