Fundstücke
Jeff Beck – Blow by Blow
Mit Blow by Blow gelang Jeff Beck 1975 ein Album, das bis heute als Meilenstein des instrumentalen Rock gilt. Nach den rauen Bluesrock-Jahren der Jeff Beck Group schlug Beck hier einen völlig neuen Weg ein. Statt klassischer Rocksongs dominieren Groove, Dynamik und virtuose Instrumentalarbeit. Das Ergebnis ist ein Album, das Jazz Fusion, Funk und Rock auf eine Weise verbindet, die damals revolutionär wirkte und bis heute erstaunlich modern klingt.
Schon der Opener „You Know What I Mean“ macht deutlich, dass Beck nicht mehr einfach nur Gitarrenheld sein wollte. Seine Gitarre übernimmt hier die Rolle einer Stimme. Sie singt, phrasiert und reagiert auf die Band wie ein zusätzliches Leadinstrument im Ensemble. Statt endloser Soli setzt Beck auf Gefühl, Timing und Klangfarben. Genau das unterscheidet Blow by Blow von vielen technisch überladenen Fusion-Alben jener Zeit.
Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der Platte. „Cause We’ve Ended as Lovers“, geschrieben von Stevie Wonder, gehört zu den emotionalsten Instrumentalstücken der Rockgeschichte. Beck spielt jede Note mit unglaublicher Kontrolle und Intensität. Auf der anderen Seite stehen funkige Tracks wie „Freeway Jam“, die voller Energie und Spielfreude stecken. Trotz der unterschiedlichen Stimmungen wirkt das Album niemals zerfahren. Alles folgt einem klaren musikalischen Fluss.
Großen Anteil daran hat Produzent George Martin. Der legendäre Beatles-Produzent sorgt für einen warmen, transparenten Sound, der jedem Instrument Raum gibt. Die Produktion wirkt luxuriös, ohne steril zu sein. Gerade deshalb konnte das Album über Jahrzehnte hinweg frisch bleiben.
Blow by Blow war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern beeinflusste Generationen von Gitarristen und Fusion-Musikern. Viele spätere Instrumentalalben orientierten sich an diesem Ansatz, erreichten jedoch selten dieselbe Balance aus Virtuosität, Emotion und musikalischer Eleganz.
Für die Rubrik „Fundstücke“ ist dieses Album ein Paradebeispiel. Eine Platte, die man immer wieder neu entdecken kann und die zeigt, warum Jeff Beck zu den kreativsten Gitarristen der Rockgeschichte gehörte.
Line-up und Produktion
Jeff Beck – Gitarre
Max Middleton – Keyboards
Phil Chen – Bass
Richard Bailey – Schlagzeug
Stevie Wonder – Clavinet auf „Thelonius“
George Martin – zusätzliche Keyboards, Produktion
Produziert von George Martin. Die Mischung aus kristallklarem Studioklang, dynamischer Bandaufnahme und organischer Wärme gehört bis heute zu den großen Stärken des Albums.
Album-Info
Artist: Jeff Beck
Album: Blow by Blow
Veröffentlichung: 01.03.1975
Label: Epic Records
Genre: Jazz Fusion, Instrumental Rock, Jazz Rock
Produktion: George Martin
Bruce Cockburn – Dart to the Heart
Mit Dart to the Heart zeigt Bruce Cockburn eine ruhigere, beinahe meditative Seite seines Schaffens. Nach den politisch schärferen und rhythmisch dichteren Alben der Achtziger wirkt diese Platte wie ein bewusster Schritt zurück in offenere Klangräume. Folk, Jazz, Blues und Weltmusik verschmelzen hier zu einem Album, das weniger auf große Gesten setzt als auf Atmosphäre, Wärme und erzählerische Tiefe.
Schon der Titelsong macht klar, wohin die Reise geht. Cockburn arbeitet mit filigranen Gitarrenfiguren, subtilen Percussion-Elementen und einer Produktion, die viel Luft zwischen den Instrumenten lässt. Seine Stimme steht nie dominant im Vordergrund, sondern wirkt wie ein weiterer Teil des Gesamtbildes. Genau darin liegt die Stärke des Albums. Dart to the Heart entfaltet seine Wirkung nicht sofort, sondern wächst mit jedem Durchlauf.
Musikalisch bewegt sich die Platte souverän zwischen introspektiven Balladen und rhythmisch komplexeren Stücken. Besonders beeindruckend ist Cockburns Gitarrenspiel. Seine offenen Akkorde, die jazzigen Läufe und die feinen Dynamikwechsel verleihen vielen Songs eine fast hypnotische Qualität. Tracks wie „Closer to the Light“ oder „The Gift“ leben weniger von eingängigen Refrains als von Stimmung und Detailarbeit.
Textlich bleibt Cockburn seinem Stil treu. Spirituelle Fragen, gesellschaftliche Beobachtungen und persönliche Reflexionen greifen ineinander, ohne jemals belehrend zu wirken. Gerade diese Mischung aus Intellekt, Melancholie und musikalischer Eleganz macht das Album bis heute bemerkenswert. Während viele Produktionen der frühen Neunziger stark in ihrer Zeit verhaftet wirken, hat Dart to the Heart etwas Zeitloses behalten.
Als „Fundstück“ ist dieses Album nahezu ideal. Keine laute Wiederentdeckung, sondern eine stille Erinnerung daran, wie intensiv und kunstvoll Songwriting funktionieren kann, wenn ein Künstler völlig auf Atmosphäre und Substanz vertraut.
Line-up und Produktion
Bruce Cockburn – Gesang, Gitarren
Rob Wasserman – Bass
Gary Craig – Schlagzeug, Percussion
Jon Hassell – Trompete
Richard Bell – Keyboards
Colin Linden – zusätzliche Gitarren
Produziert von T Bone Burnett und Bruce Cockburn. Die Produktion setzt auf organische Wärme statt Studioeffekte und verleiht dem Album seinen offenen, fast nächtlichen Klangcharakter.
Album-Info
Artist: Bruce Cockburn
Album: Dart to the Heart
Veröffentlichung: 09.03.1994
Label: True North Records
Genre: Folk Rock, Singer-Songwriter, Contemporary Folk
Produktion: Bruce Cockburn, T Bone Burnett
Black Rebel Motorcycle Club - Howl
„Howl“ von Black Rebel Motorcycle Club ist ein Bruch-Album. Stilistisch ein radikaler Schwenk Richtung Folk‑Blues‑Gospel, inhaltlich eine Reise in amerikanische Roots‑Musik und genau das spaltet bis heute Fans und Kritiker.
Sound und Ausrichtung
„Howl“ verabschiedet sich weitgehend von den fuzzigen Jesus‑And‑Mary‑Chain‑Gitarren der ersten beiden Platten und setzt auf akustische Gitarren, Slide, Mundharmonika und gospelartige Chöre. Statt dröhnender Wände gibt es trocken produzierten, intimen Sound, stark geprägt von Folk‑Blues und amerikanischer Songwriter‑Tradition à la Dylan, Neil Young und Johnny Cash. Gleichzeitig durchziehen spirituelle Motive wie Schuld, Erlösung und Zweifel viele Songs und geben dem Album eine fast kirchliche Schwere.
Ein gutes Beispiel ist „Shuffle Your Feet“: treibender, fast skiffle‑artiger Folk‑Groove, Handclaps, mehrstimmiger Gesang, weit weg vom alten Shoegaze‑Dunst, aber mit enormem Sog, wenn man diesen Roots‑Ansatz mag. Für Hörer wie mich, die genau diese Mischung aus Folk, Blues und leicht düsterem Gospel schätzen, fühlt sich „Howl“ deshalb wie eine passgenaue Platte an, auch wenn der Rest des BRMC‑Katalogs weniger zündet.
Kritische Reaktionen: gespaltene Lager
Die professionelle Kritik war überwiegend positiv, aber nicht euphorisch, und betonte vor allem den Mut zur Neuausrichtung. So wird etwa hervorgehoben, dass „Howl“ mit derselben Intensität brennt wie die Vorgänger, nur eben „langsamer“, als notwendiger Schritt weg vom Sackgassen‑Lärm hin zu einer langfristig tragfähigeren Identität. Gleichzeitig sehen einige Rezensionen das Album eher als „vielversprechend“ denn als Meisterwerk und kritisieren, dass es gegen Ende an Spannung verliere.
In Fan‑ und Einzelreviews sieht man die Spaltung besonders deutlich: Für viele ist „Howl“ das stärkste oder persönlich liebste BRMC‑Album, gerade weil es weicher, lyrischer und rootsiger klingt. Andere sprechen von einem „falschen Schritt“, beklagen zu viel Akustik, Wiederholungen und das Fehlen der dreckigen Riffs, die sie an den ersten beiden Alben liebten. Einzelne Stimmen gehen so weit, das Album als „zweitrangige Black‑Crowes‑Kopie“ und „Durcheinander“ abzuwerten, ein Hinweis darauf, wie irritiert manche vom Stilbruch waren.
Langfristige Einordnung und Fan-Debatte
Mit dem zeitlichen Abstand wird „Howl“ immer öfter als polarisierendes Schlüsselalbum in der Diskografie bezeichnet, das die Band bewusst von ihrem Ruf als bloßer JAMC‑Clone wegführen sollte. Interviews zum 20‑jährigen Jubiläum betonen, wie hart erkämpft diese neue Richtung war und wie sehr man sich von Label‑Erwartungen und Genre‑Schubladen freimachen wollte. In Diskussionen wird „Howl“ von manchen als Meisterwerk gefeiert, während andere den eigentlichen Höhepunkt in „Take Them On, On Your Own“ sehen und „Howl“ eher als Beginn eines Niedergangs wahrnehmen.
Spannend ist, dass heute viele Fans berichten, dass genau „Howl“ bei ihnen klickt, während der Rest des Oeuvres sie kalt lässt, exakt meine Position. Umgekehrt empfinden alte Noise‑Anhänger die Platte als Fremdkörper und sehen den „echten“ BRMC‑Sound woanders verankert. Dadurch hat „Howl“ den Status eines Kultalbums: für einige unverzichtbar, für andere respektabel, aber nicht identitätsstiftend.
Fazit
Wenn man wie ich mit Blues‑Folk‑Gospel‑Anklängen, reduzierter Produktion und spirituell aufgeladenen Texten mehr anfangen kann als mit klassischem Indie‑Noise, spielt „Howl“ seine Stärken voll aus. Es ist ein Album, das weniger auf sofortigen Impact setzt als auf Atmosphäre, Gefühl und eine gewisse raue Spiritualität. Genau deshalb dockt es bei einem Teil der Fanbase so tief an, während es den anderen Teil nachhaltig irritiert.
Album Info:
Titel: Howl
Aufnahme: Sandbox Studios, Los Angeles; The Cobb Studio, Philadelphia
Veröffentlichung: 22.08.2005
Label: The Echo Label / RCA
Produktion: Black Rebel Motorcycle Club
Format: CD Studioalbum
Genre: Alternative/Indie Rock, Americana, Folk‑Blues/American Trad Rock
Fleetwood Mac – Then Play On
Then Play On von Fleetwood Mac, ist ein legendäres Album, das einen bedeutsamen Wendepunkt in der Geschichte der Band markiert. Es ist das erste Fleetwood-Mac-Album mit Gitarrist Danny Kirwan und das letzte mit Gründungsmitglied Peter Green. Das Album wird oft als Meisterwerk betrachtet, weil es musikalisch weit über die Blues-Wurzeln der frühen Band hinausreicht und neue, experimentelle Wege einschlägt. Mit Then Play On verabschiedet sich Fleetwood Mac von ihrem reinen Blues-Stil. Die Band experimentiert mit Songstrukturen, Einflüssen aus Folk, Psychedelic und Rock. Besonders die Zusammenarbeit und Dualität zwischen Peter Green und Danny Kirwan hebt die Platte musikalisch auf ein neues Level, Kirwan verleiht den Kompositionen melodische Feinfühligkeit, während Green mit emotional geladenem Gitarrenspiel glänzt.
Wenn man Then Play On hört, merkt man sofort, dass hier etwas zerbrechlich Schönes konserviert wurde. Die frühen Fleetwood Mac hatten noch nichts mit dem späteren Westküstenpop zu tun. Das hier ist die Ära von Peter Green, der mit einer Mischung aus Bluesgefühl, spiritueller Suche und musikalischer Sensibilität eine eigene kleine Welt geschaffen hat.
Right Place to Wrong Time, komm rein, und du spürst direkt den warmen, leicht melancholischen Klang der Band. Die Gitarren sprechen miteinander wie zwei alte Freunde. Greens Ton ist weich und gleichzeitig so eindringlich, dass man sich fragt, warum niemand sonst so klingen konnte. Songs wie Closing My Eyes zeigen seine verletzliche Seite. Eine intime Ballade, die fast flüstert: Da ist etwas im Inneren, das wehtut, aber trotzdem gehört werden will.
Rattlesnake Shake zeigt die wilde, schmutzige, spielverliebte Facette. Der Groove ist direkt, der Jam geht auf, ohne jemals die Kontrolle zu verlieren. Man spürt die Kraft der damaligen Livekonzerte, mit diesem lässigen Selbstvertrauen, das nur junge Bands haben, die genau wissen, dass sie gerade etwas Neues schaffen.
Und dann natürlich die beiden Versionen von Oh Well. Ein genialer Zweiteiler, der mit trockenem Bluesriff beginnt, dann in eine völlig andere Klangwelt abtaucht. Orchestrale Anmutung, mystisches Flair, ein Ausdruck innerer Unruhe und großer Kreativität. Das ist Peter Green auf dem Gipfel seiner Kunst.
Then Play On ist das letzte große Dokument der Peter Green Ära und vereint Blues, Psychedelic und Rock in beeindruckender Bandbreite und emotionaler Tiefe. Es ist gleichzeitig frei, traurig, wild und poetisch. Ein Album, das immer noch überrascht und dessen Schönheit nicht verblasst.
Album Info:
Titel: Then Play On
Aufnahme: 1968-69 CBS und De Lane Lea Studios, London
Veröffentlichung: 19.09.1969
Label: Reprise Records
Produktion: Fleetwood Mac
Format: LP, CD
Chart & Auszeichnungen: 1970 Platz 109 der Billboard 200, Single „Oh Well“ Platz 55 der Billboard Hot 100
Genre: Bluesrock, Classic Rock, Psychedelic Rock
Genesis - Nursery Cryme
Wenn man heute auf Nursery Cryme zurückblickt, merkt man sofort, dass dieses Album eine Scharnierplatte ist. Genesis waren noch nicht die bombastische Stadionband der späteren Jahre, aber auch nicht mehr die schüchternen Schüler von Trespass. Hier findet gerade eine Verwandlung statt und sie hat etwas Magisches. Nach dem Weggang von Anthony Phillips und John Mayhew stießen Phil Collins und Steve Hackett zu Genesis. Erst jetzt war die Formation komplett, die als „klassisches Genesis-Line-up“ Weltruhm erlangen sollte. Nursery Cryme, das im November 1971 erschienen ist, markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Band und gilt heute als Beginn ihrer progressiven Rock-Ära und als Fundament für spätere Klassiker in den 1970er Jahren.
Die Band nahm Nursery Cryme innerhalb weniger Wochen auf, inspiriert sowohl von literarischen als auch von viktorianisch-makabren Motiven und Geschichten. Das Album verbindet fantasievolle, teils düstere Storys mit komplexen musikalischen Strukturen. Die Songs erzählen von viktorianischen Gruselgeschichten, apokalyptischen Pflanzenkriegen oder mythisch-klassischer Transformation.
Peter Gabriels Stimme wirkt wie ein Erzähler aus einem viktorianischen Schauermärchen, der sich im Halbdunkel über ein Kaminfeuer lehnt. Der Einstieg The Musical Box ist ein Musterbeispiel dafür. Zartes Gitarrenläuten, dann diese unruhige Spannung, Tony Banks am Mellotron taucht die Szene in einen bleichen Schein und am Ende explodiert Steve Hackett mit einem Solo, das bis heute Gänsehaut auslösen kann.
Harold The Barrel zeigt die schräge, fast theatralische Seite der Band. Eine kleine schwarze Komödie mit musikalischen Wendungen, die andere Bands niemals gewagt hätten. Und dann natürlich The Fountain of Salmacis. Ein Song, der klingt wie ein in Klang gefasster Mythos. Basspedale, Mellotron, bedrohliche Linien, ein strahlender Refrain. Hier entsteht der berühmte Genesis Sound der ersten großen Ära.
Man hört überall den frischen Wind, den Phil Collins und Steve Hackett mitbrachten. Zu Banks‘ charakteristischen Orgel und Mellotron-Teppichen, verleiht Collins dem Schlagzeug neue Präzision und Leichtigkeit, Hackett gibt der Gitarre plötzlich eine Stimme, die flüstert, faucht und singt.
Nursery Cryme ist nicht einfach ein Album. Es ist der Moment, in dem die Band sich selbst gefunden hat. Ein frühes Meisterwerk und Schlüssel für Genesis und den Progressive Rock insgesamt. Voller Mut, Fantasie und einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und verspielter Ironie, die im Progrock selten so gelungen ist.
Album Info:
Titel: Nursery Cryme
Aufnahme: Aug. 1971 Trident Studios, London
Veröffentlichung: 12.09.1971
Label: Charisma
Produktion: John Anthony
Format: LP, CD, DVD, Hybrid-SACD, MC
Chart & Auszeichnungen: Platz 39 Top 1
Element of Crime: Wenn es kalt und dunkel wird in Berlin
"Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin", das neue Element Of Crime-Album, ist Soundtrack und Live-Momentaufnahme zugleich. Für den gleichnamigen Dokumentarfilm über die Kultband wurde eigens eine Mini-Tour durch fünf Berliner Spielstätten organisiert, vom kleinen Club bis hin zum großen Open Air. Nächstes Jahr feiert man 40-Jähriges. Und so haben die Live-Aufnahmen durchaus alle ihren ganz eigenen Charme. Auf dem Opener "Jung und schön" klingt Sven Regener knarziger und knurrender als sonst, auf dem melancholischen Kneipenlied "Immer nur geliebt" sind der österreichische Musiker Florian Horwath und Tobias Bamborschke von Isolation Berlin zu Gast – letzteres passt perfekt, denn auf deren aktuellem Album ist wiederum Regener dabei und hilft dabei, deren Suffpop zu vollenden. Vielleicht liegt es daran, dass beide Alben auf demselben Label erscheinen, vielleicht wurde hier aber auch eine Seelenverwandtschaft von neuem Indie-Rock und altem Rock-Chanson zementiert, die schon auf dem letzten EOC-Album "Morgens Um Vier" aufblitzte. Dort zeigte das gemeinsame Duett "Dann kommst du wieder", wie gut der beste deutsche Musikdichter und sein gelehriger Schüler zusammenpassen. Auf dem vorliegenden Live-Album finden sich neben langjährigen Fanlieblingen wie "Weißes Papier" oder "Vier Stunden vor Elbe 1" auch die neuen Tracks von dem erwähnten Album ein. Und vielleicht hört man diesen Soundtrack auch erst nach dem Kinobesuch von "Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin", inszeniert übrigens von Charly Hübner, der selbst großer Fan der Band ist und deshalb genau die richtigen Fragen stellt. Dort wird auch klar, warum Element Of Crime ein Phänomen in der deutschen Musiklandschaft ist – nostalgisch und realistisch zugleich, humorvoll und traurig in einem Lied und so schnoddrig und sentimental wie der Kneipenkumpel in Berlin.
Torsten Goods: Soul Searcher
Das Album „Soul Searching“ von Torsten Goods beeindruckt mit einer Mischung aus lockerem, coolem Jazz, souligen Elementen und Anklängen an den Sound der 70er Jahre sowie die Beach Boys. Die hochkarätige Band um den Düsseldorfer Gitarristen wird von prominenten Gastmusikern wie Nils Landgren, Randy Brecker, Ida Sand und Viktoria Tolstoy unterstützt. Besonders hervorzuheben ist die Ballade „I Had To Learn Not To Care“, an der Sarah Connor mitgeschrieben hat. Das Album besteht aus 14 funkigen, souligen Songs, die durch lebendige Kompositionen, spannende Arrangements und spürbare Spielfreude bestechen. Es bringt keine revolutionären Neuerungen im Jazz, doch es entführt auf eine sehr angenehme Reise in funkig-jazzige Klangwelten. Torsten Goods bringt nicht nur sein herausragendes Gitarrenspiel, sondern auch seine gesanglichen Fähigkeiten voll zur Geltung. „Soul Searching“ ist ein musikalisches Highlight, das Lebensfreude pur vermittelt und Fans von Jazz und Soul begeistern wird.
Peter Fox: Love Songs
15 Jahre nach seinem Debüt "Stadtaffe" kehrt Peter Fox mit seinem zweiten Soloalbum "Love Songs" zurück und bleibt seiner bewährten Mischung aus Dancehall-Beats und bildreichen Texten treu. In den elf Tracks sinniert er wie ein Alt-Hippie über Frieden, Liebe und bewusstseinserweiternde Erlebnisse, während er sich von Berlin abwendet und von Urlaubszielen wie der Toskana oder Dubai träumt. Musikalisch kombiniert er sphärische Klänge mit synkopierten Beats, lässt dabei Seifenblasen und Glockenläuten erklingen. Die Leichtigkeit der Musik täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass Fox tiefsinnigere Themen anspricht. Neben den lockeren Partyhymnen und "Hakuna Matata"-Texten verstecken sich ernsthafte Gedanken über persönliche und gesellschaftliche Spannungen, wie in "Weiße Fahnen" und "Gegengift". Hier kritisiert Fox die zunehmende Engstirnigkeit und Polarisierung der Gesellschaft und plädiert für mehr Empathie und Selbstreflexion. Tracks wie "Vergessen Wie" und "Zukunft Pink" rufen zur Hoffnung auf und setzen optimistische Zeichen für eine friedliche Zukunft. Doch nicht alle Songs erreichen das Niveau von Fox' früheren Werken. Einige, wie "Tuff Cookie" oder "Celebration", wirken inhaltlich flach und bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dennoch bleibt die zentrale Botschaft des Albums klar: Die Liebe ist das Gegengift zu den toxischen Tendenzen der heutigen Welt.