Über den Blues hinaus
Blackberry Smoke – Be Right Here
Southern Rock zwischen Gelassenheit, Melancholie und amerikanischer Weite
Kaum eine moderne Band verkörpert den Geist des klassischen Southern Rock so glaubwürdig wie Blackberry Smoke. Während viele Genrekollegen entweder nostalgisch erstarren oder sich zu stark dem Mainstream annähern, hat die Band aus Atlanta über Jahre ihren eigenen Stil entwickelt: eine Mischung aus Southern Rock, Country, Americana und klassischem Gitarrenrock voller Wärme und Bodenständigkeit. Be Right Here setzt genau dort an.
Das Album wirkt auf den ersten Blick ruhiger und entspannter als einige frühere Veröffentlichungen. Statt großer Rockhymnen dominieren diesmal Midtempo-Stücke, warme Gitarrenarrangements und eine beinahe melancholische Grundstimmung. Doch gerade darin liegt die Stärke der Platte. Be Right Here entfaltet seine Wirkung nicht über Lautstärke oder Spektakel, sondern über Atmosphäre und musikalische Tiefe.
Charlie Starr bleibt dabei das emotionale Zentrum der Band. Sein Gesang klingt rau, glaubwürdig und angenehm ungekünstelt. Besonders in den ruhigeren Songs zeigt sich erneut, wie stark Blackberry Smoke mittlerweile als Songwriter funktionieren. Viele Stücke besitzen eine fast filmische Qualität und erzeugen Bilder von endlosen Highways, kleinen Bars, Südstaatenstädten und amerikanischer Weite.
Musikalisch bleibt die Band ihrem Stil treu. Southern-Gitarren, Country-Einflüsse, dezente Hammond-Orgeln und warme Akustikpassagen bestimmen das Klangbild. Gleichzeitig wirkt das Album etwas reifer und reflektierter als frühere Veröffentlichungen. Statt jugendlicher Wildheit dominiert heute eine gelassene musikalische Souveränität.
Besonders gelungen ist die Produktion. Das Album klingt offen, analog und organisch. Die Instrumente besitzen Raum, die Dynamik bleibt erhalten und nichts wirkt künstlich komprimiert. Gerade diese Natürlichkeit hebt Blackberry Smoke weiterhin von vielen moderneren Rockproduktionen ab.
Natürlich bewegt sich die Band stilistisch weiterhin innerhalb ihres vertrauten Kosmos. Überraschende Stilwechsel oder radikale Experimente sucht man vergeblich. Doch genau das dürfte für viele Fans eher ein Vorteil sein. Be Right Here klingt wie ein Album einer Band, die genau weiß, wer sie ist und was sie musikalisch ausdrücken möchte.
Vor allem die Mischung aus Southern-Rock-Energie und melancholischer Americana-Atmosphäre macht die Platte besonders stark. Viele Songs entwickeln ihre Wirkung erst nach mehreren Durchläufen und gewinnen mit der Zeit sogar noch an Tiefe.
Line-up und Produktion
Die aktuelle Besetzung von Blackberry Smoke besteht aus Charlie Starr an Gesang und Gitarre, Richard Turner am Bass und Background-Gesang, Brit Turner am Schlagzeug, Paul Jackson an Gitarre und Background-Vocals sowie Brandon Still an Keyboards und Hammond-Orgel. Gerade das Zusammenspiel der beiden Gitarren und die warmen Orgelarrangements prägen den typischen Blackberry-Smoke-Sound erneut entscheidend.
Produziert wurde Be Right Here von Grammy-Preisträger Dave Cobb, der bereits zahlreiche Americana- und Southern-Rock-Alben betreut hat. Seine Handschrift ist auch hier deutlich hörbar: warme Analogästhetik, viel Live-Feeling und ein bewusst organischer Bandsound ohne moderne Überproduktion.
Aufgenommen wurde das Album weitgehend live im Studio, wodurch viele Songs eine natürliche Dynamik und spürbare Spielfreude entwickeln. Besonders auffällig ist die offene Mischung der Instrumente. Gitarren, Hammond-Orgel und Rhythmussektion erhalten viel Raum und sorgen für jene entspannte Southern-Atmosphäre, die das Album durchgehend trägt.
Fazit
Mit Be Right Here liefern Blackberry Smoke ein reifes, atmosphärisches Southern-Rock-Album voller Wärme, Melancholie und musikalischer Gelassenheit. Keine große Revolution, sondern eine ausgesprochen glaubwürdige Weiterentwicklung ihres vertrauten Sounds.
Empfehlung
Empfohlen für Fans von Southern Rock, Americana und klassischem Roots-Rock mit viel Atmosphäre und organischer Produktion.
Album-Info
Artist: Blackberry Smoke
Album: Be Right Here
Genre: Southern Rock / Americana / Roots Rock
Label: 3 Legged Records / Thirty Tigers
Veröffentlichung: 16.02.2024
Highlights: warme Atmosphäre, starke Songwriter-Qualitäten, organischer Bandsound
Schwächen: wenig Überraschungen, eher zurückhaltende Dynamik
Bewertung
⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ✩ 9/10 Sterne
Robert Jon & The Wreck – Heartbreaks & Last Goodbyes
Moderner Southern Rock mit Herz, Druck und Highway-Atmosphäre
Robert Jon & The Wreck gehören inzwischen zu den wichtigsten jüngeren Bands im modernen Southern Rock. Während viele Gruppen des Genres entweder zu nostalgisch oder zu glatt produziert wirken, gelingt es der kalifornischen Formation seit Jahren, klassischen Southern-Spirit mit zeitgemäßer Energie zu verbinden. Heartbreaks & Last Goodbyes führt diesen Weg konsequent weiter.
Schon der Opener macht klar, worum es hier geht: breite Gitarrenwände, treibende Drums, kräftige Hammond-Orgeln und genau jene Mischung aus Melancholie und Aufbruchsstimmung, die guten Southern Rock seit jeher auszeichnet. Das Album klingt wie eine endlose Fahrt über staubige Highways irgendwo zwischen Texas, Nashville und Kalifornien.
Musikalisch bewegt sich die Band souverän zwischen Southern Rock, Americana, Heartland Rock und klassischem Bluesrock. Besonders auffällig ist die Balance zwischen Härte und Melodie. Viele Songs besitzen hymnische Refrains, ohne dabei in kalkulierten Stadionrock abzurutschen. Gerade diese Bodenständigkeit macht die Platte glaubwürdig.
Robert Jons Stimme passt perfekt zu diesem Sound. Sie besitzt genug Rauheit für die rockigen Momente, wirkt aber gleichzeitig emotional genug für die ruhigeren Stücke. Vor allem die Midtempo-Songs entwickeln eine starke Atmosphäre und erinnern stellenweise an die besten Momente von Blackberry Smoke oder den frühen Black Crowes.
Ein großer Pluspunkt des Albums ist die Gitarrenarbeit. Die Band setzt konsequent auf klassische Twin-Guitar-Arrangements mit viel Dynamik und organischem Zusammenspiel. Statt sterilem Hochglanz-Rock dominieren warme Röhrenverstärker, erdige Riffs und lange, melodische Soli. Gerade darin liegt die Stärke von Heartbreaks & Last Goodbyes: Das Album klingt wie echte Bandmusik und nicht wie ein am Computer zusammengesetztes Produkt.
Dabei bleibt die Platte angenehm abwechslungsreich. Neben kraftvollen Southern-Rockern finden sich auch ruhigere Americana-Momente und leicht countrygefärbte Passagen. Trotzdem wirkt das Album nie zerfasert, sondern erstaunlich geschlossen.
Natürlich erfindet die Band das Genre nicht neu. Viele Einflüsse sind klar erkennbar, und manche Songs bewegen sich bewusst innerhalb vertrauter Southern-Rock-Muster. Doch genau das scheint Teil des Konzepts zu sein. Heartbreaks & Last Goodbyes will keine Revolution sein, sondern ein verdammt gutes Southern-Rock-Album. Und genau das gelingt der Band überzeugend.
Line-up und Produktion
Die aktuelle Besetzung von Robert Jon & The Wreck besteht aus Robert Jon Burrison am Gesang und an der Gitarre, Henry James Schneekluth an Leadgitarre und Background-Vocals, Warren Murrel am Bass, Andrew Espantman am Schlagzeug sowie Jake Abernathie an Keyboards und Hammond-Orgel. Besonders das Zusammenspiel der beiden Gitarren prägt den Sound des Albums entscheidend und sorgt immer wieder für klassische Southern-Rock-Dynamik.
Produziert wurde Heartbreaks & Last Goodbyes von Dave Cobb, der bereits mit Künstlern wie Chris Stapleton, Rival Sons und Jason Isbell gearbeitet hat. Seine Handschrift ist deutlich hörbar: warme Analogproduktion, offene Dynamik und ein starker Fokus auf Live-Atmosphäre statt übertriebener Studio-Perfektion.
Die Produktion setzt bewusst auf organische Gitarrensounds, kräftige Drums und klassische Vintage-Keyboards. Viele Songs wirken, als wären sie nahezu live eingespielt worden. Gerade diese Natürlichkeit verleiht dem Album seine glaubwürdige Roadtrip- und Highway-Stimmung.
Fazit
Mit Heartbreaks & Last Goodbyes liefern Robert Jon & The Wreck eines der stärksten modernen Southern-Rock-Alben der letzten Jahre ab. Die Platte verbindet klassische Genre-Tugenden mit zeitgemäßer Energie und wirkt dabei angenehm ehrlich und ungekünstelt.
Empfehlung
Empfohlen für Fans von Southern Rock, Americana und klassischer Gitarrenmusik zwischen Blackberry Smoke, Black Crowes und Lynyrd Skynyrd.
Album-Info
Artist: Robert Jon & The Wreck
Album: Heartbreaks & Last Goodbyes
Genre: Southern Rock / Americana / Roots Rock
Label: Joe Bonamassa’s Journeyman Records
Veröffentlichung: 21.02.2026
Highlights: starke Gitarrenarbeit, organischer Southern-Sound, hymnische Refrains
Schwächen: stilistisch wenig Risiko, stark genretypisch
Bewertung
⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ✩ 9/10 Sterne
Peter Frampton – Carry the Light
Ein spätes Werk voller Wärme, Gelassenheit und musikalischer Klasse
Es gibt Alben, die nicht mehr beweisen müssen, wie modern oder relevant sie sind. Carry the Light von Peter Frampton gehört genau in diese Kategorie. Statt großer Gesten oder kalkulierter Comeback-Inszenierung liefert Frampton ein bemerkenswert entspanntes, musikalisch reifes Album ab, das vor allem von Atmosphäre, Spielfreude und handwerklicher Klasse lebt.
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier kein nostalgischer Abklatsch früherer Erfolge entsteht. Zwar sind die typischen melodischen Gitarrenlinien und der warme Classic-Rock-Sound sofort erkennbar, doch Carry the Light wirkt erstaunlich lebendig und gegenwärtig. Frampton konzentriert sich stärker denn je darauf sein Gitarrenspiel konsequent den Songs unterzuordnen, Groove und emotionale Tiefe statt auf Virtuosität um ihrer selbst willen.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Classic Rock, Americana, Westcoast-Elementen und bluesigem Roots-Rock. Besonders angenehm fällt die entspannte Dynamik auf. Die Songs atmen, entwickeln sich organisch und verzichten wohltuend auf moderne Überproduktion. Viele Arrangements erinnern an die analoge Wärme großer Siebzigerjahre-Produktionen, ohne dabei altmodisch zu wirken.
Framptons Gitarrenspiel bleibt natürlich das Zentrum des Albums. Seine Soli sind melodisch, kontrolliert und voller Gefühl. Gerade darin zeigt sich seine enorme Erfahrung. Wo jüngere Gitarristen oft jede freie Sekunde mit Technik füllen, setzt Frampton auf Ton, Timing und Atmosphäre. Besonders die ruhigeren Stücke profitieren von dieser Zurückhaltung.
Auch gesanglich überzeugt das Album. Die Stimme besitzt heute mehr Reife und Tiefe als früher und passt hervorragend zu den oft reflektierten Texten. Viele Songs wirken beinahe wie persönliche Rückblicke eines Musikers, der auf eine lange Karriere zurückblickt, ohne dabei sentimental zu werden.
Natürlich ist Carry the Light kein Album für Hörer, die harte Riffs oder spektakuläre Überraschungen suchen. Stattdessen entfaltet die Platte ihre Wirkung langsam und nachhaltig. Gerade diese Gelassenheit macht ihren besonderen Reiz aus.
Line-up und Produktion
Neben Peter Frampton an Gesang, Gitarren und Talkbox versammelt Carry the Light eine Reihe hochkarätiger Studiomusiker aus der amerikanischen Classic- und Roots-Rock-Szene. Stanley Sheldon übernimmt den Bass, während Dan Wojciechowski das Schlagzeug spielt und dem Album seinen entspannten, organischen Groove verleiht. Ergänzt wird das Line-up durch Rob Arthur an Piano, Hammond-Orgel und Keyboards, dessen warme Vintage-Sounds entscheidend zur Atmosphäre der Platte beitragen.
Für zusätzliche Tiefe sorgen mehrere Gastmusiker, darunter Streicher- und Background-Vocal-Arrangements, die jedoch stets dezent eingesetzt werden und nie die eigentlichen Songs überlagern. Gerade diese Zurückhaltung prägt den Charakter des Albums.
Produziert wurde Carry the Light von Peter Frampton gemeinsam mit Chuck Ainlay. Die Produktion setzt konsequent auf einen warmen Analog-Sound mit offener Dynamik und natürlicher Instrumententrennung. Statt moderner Lautheitsästhetik dominieren transparente Gitarren, warme Röhrenverstärker und ein klassischer Bandklang, der stark an hochwertige Rockproduktionen der siebziger Jahre erinnert.
Fazit
Mit Carry the Light gelingt Peter Frampton ein bemerkenswert würdiges Spätwerk. Das Album lebt weniger von einzelnen Hits als von seiner durchgehend warmen, musikalischen und ehrlichen Atmosphäre. Kein großes Spektakel, sondern ein Album voller Erfahrung, Gefühl und zeitloser Gitarrenmusik.
Empfehlung
Empfohlen für Fans von Classic Rock, melodischer Gitarrenmusik und entspannten Americana-Einflüssen. Besonders geeignet für Hörer, die organische Produktionen und musikalische Reife schätzen.
Album-Info
Artist: Peter Frampton
Album: Carry the Light
Genre: Classic Rock / Roots Rock / Americana
Label: UMe
Veröffentlichung: 18.04.2026
Highlights: warmes Gitarrenspiel, organische Produktion, starke Atmosphäre
Schwächen: wenig Tempo und kaum echte Überraschungsmomente
Bewertung
⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ✩ 9/10 Sterne
Torsten Goods – Soul Deep
Soul Deep ist für mich eine warme, emotional dichte Reise – ein Album, das vordergründig „easy listening“ sein könnte, aber in seinen Falten Tiefe birgt. Die Sonne scheint durch die Klangräume, doch gelegentlich wirft sie Schatten: persönliche Themen, Verletzlichkeit, Selbstfindung.
Man spürt: Torsten Goods will nicht nur unterhalten, sondern berühren. In stilistischer Hinsicht bewegt sich Soul Deep elegant zwischen Soul, Jazz, Blues und einem Hauch von AOR / West-Coast-Flair der Siebziger. Seine Stimme, sein Gitarrenspiel, die Arrangements, alles wirkt mit Bedacht gesetzt, niemals überfrachtet.
Die Kritiker stimmen größtenteils mit: Jazz-fun lobt das Album als warm, fröhlich, tanzbar und dennoch reich an nuancierter Finesse. „Music Republic“ bezeichnet Soul Deep als persönlichen, reifen Schritt gegenüber dem Vorgänger Soul Searching. „RedGuitar“ spricht davon, dass das Album nicht nur ein Nachfolger, sondern eine eigene Klangwelt darstellt.
Song-Highlights
Ein paar Perlen aus dem Album, die besonders herausstechen:
“Summertime Heartache” – eine sehnsüchtige Ballade, in der Streicher und Saxophon von Jakob Manz für eine weiche, fast schwebende Atmosphäre sorgen.
“Summer Rain” – ein Tribut an Steely Dan, mit harmonischem Anspruch und edler Zurückhaltung.
“Live by the Heart” (Duett mit Kim Sanders) hier verbindet sich verletzliche Stimme mit Melodie, ein Moment, in dem das Herz schwer und leicht zugleich wird.
“Rocket Girl” – der mitreißende, groovige Song, der zeigt: auch Rhythmus und Funk sind in dieser Klangwelt zu Hause.
“So Deep, Soul Deep (feat. Incognito)” – ein Stück, das mit seiner Zusammenarbeit und seiner Klangästhetik Richtung Neo-Funk, Neo-Jazz tendiert, mit Hornarrangements und dichter Produktion.
Weitere Songs wie Life Goes On, Get Yourself Together, Island Love, Revelation, Live for the Day kommen als Mischung aus Balladen und groovigen Nummern und sorgen für Spannung über das Album hinweg, niemals flach, aber auch nicht überkandidelt.
Goods zeigt sich hier nicht als „Junger Wildfang“, sondern als Künstler mit Erfahrung und Ausdruckskraft. Die Räume zwischen den Instrumenten sind durchdacht, Soli bekommen Luft, Stimmen atmen. Man kann das Album genießen, ohne sich mit jedem Takt intensiv auseinanderzusetzen, aber wer tiefer hineinhört, entdeckt subtile Details und harmonische Finessen. Themen wie Alopecia (Haarausfall) – seine eigene Transformation – und Liebe verleihen dem Ganzen eine ehrliche Basis.
In manchen Momenten könnte man wünschen, dass bestimmte Songs noch stärker aufgebrochen würden, z. B. längere Improvisationen oder mutigere harmonische Experimente. Eine leichte Homogenität in Produktion und Klangästhetik: wer zwischen Tracks knapp differenzierte Arrangements erwartet, könnte hier und da eine zu glatte Linie finden. Bei so vielen Feature-Gästen liegt die Gefahr, dass die eigene Stimme des Hauptkünstlers etwas verblasst, aber glücklicherweise gelingt Goods meistens sich durchzusetzen.
Fazit
Soul Deep ist mehr als nur ein neues Album – es ist ein Statement. Für Torsten Goods markiert es einen Moment, in dem er seine musikalischen Einflüsse freier, reflektierter und zugleich zugänglicher verbindet. Es lädt zum Lauschen ein, zum Spüren, zum Verlieren und Wiederfinden. In der Musikabteilung würde ich es als „Soul & Jazz mit Tiefgang“ präsentieren: ideal für Menschen, die sich nach Klangwelten sehnen, in denen Melodie und Seele sich gleichwertig begegnen.
Albuminfo
Titel: Soul Deep
Interpret: Torsten Goods
Veröffentlichung: 12.09.2025 Erminal T Records
Top-Tracks: So Deep, Soul Deep, Summer Rain, Rocket Girl, Live by the Heart
Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ 8 / 10
Counting Crows - Butter Miracle, The Complete Sweets!
Mit „Butter Miracle: The Complete Sweets!“ legen Counting Crows erstmals seit sieben Jahren wieder ein komplettes Album vor. Ursprünglich 2021 als vierteilige Suite veröffentlicht, wurde das Projekt nun um fünf neue Songs ergänzt. Eine musikalisch geschlossene Reise mit fließenden Übergängen und viel erzählerischem Tiefgang.
Aufgenommen auf einer Farm in Großbritannien und produziert von Brian Deck, verbindet das Album warme Americana-Stimmungen, klassisches Songwriting und handgemachten Rock. Die Texte von Adam Duritz drehen sich wie gewohnt um fiktive Figuren, reale Orte und das bittersüße Gefühl von Sehnsucht, Zweifel und Hoffnung. Die neuen Songs wie With Love, From A-Z, Spaceman In Tulsa und Boxcars fügen sich nahtlos in die Atmosphäre der ursprünglichen Suite ein, poetisch, verspielt und voller Leben. Besonders Under The Aurora und Virginia Through The Rain setzen emotionale Höhepunkte, während The Tall Grass als eleganter Übergang zur ersten Suite dient. Altbekannte Stücke wie Elevator Boots, Angel of 14th Street und Bobby and the Rat-Kings wirken in diesem neuen Rahmen noch stärker. Alles fließt, alles passt, fast wie ein Soundtrack zu einem herbstlichen Roadmovie.
Butter Miracle: The Complete Sweets! ist kein lauter Paukenschlag, sondern ein fein gewebtes Album voller Details, Atmosphäre und handwerklicher Klasse. Wer Counting Crows kennt, wird sich sofort zuhause fühlen und wer sie noch nicht kennt, findet hier einen perfekten Einstieg.
Release: 09.05.2025
Label: BMG Rights
Dope Lemon - Golden Wolf
Der Dude ist zurück – und er hat ein Wasserflugzeug dabei.
Es gibt Alben, die sich anfühlen wie ein Gespräch mit einem alten Freund. „Golden Wolf“ ist so eines. Dope Lemon alias Angus Stone liefert zehn Tracks, die irgendwo zwischen Indie-Rock, Retro-Soul, Twang-Gitarren und psychedelischer Strandwelle durch die Gehörgänge treiben. Der perfekte Soundtrack für lange Autofahrten in warmen Nächten oder den ersten Gin Tonic bei Sonnenuntergang.
Der Opener „Sugarcat“ kommt mit Gitarrenriffs und weichen Synths daher wie eine Einladung zum Tagträumen, entspannt, verspielt, charmant verschleppt. Der Titeltrack „Golden Wolf“ schlägt tiefere Töne an: Es geht um Vergänglichkeit, um das Sammeln von Erfahrungen und den Spirit des Unterwegsseins. In „We Solid Gold“ tanzt dann plötzlich die Nostalgie der 80er durch den Raum, ein Song über das, was bleibt, wenn alles andere geht.
Wer Angus Stone kennt, weiß: Der Mann ist nicht für kompositorische Achterbahnen bekannt, aber genau das ist sein Trick. Wie der lässigste Typ deiner Schulzeit mogelt sich auch dieses Album durch, bleibt cool, leichtfüßig, sympathisch und trifft trotzdem mitten ins Herz.
Besonders gelungen: „Electric Green Lambo“, eine Nummer, in der Prince, Marvin Gaye und die Bee Gees kurz ein Funk-Kommando bilden und dann wieder entspannt auseinanderdriften. Ein Song wie eine Sonnenbrille auf halb acht.
Auch Experimente fehlen nicht: „Yamasuki“ mixt japanische Frauenstimmen mit fuzzigem Gitarrenkraut und beschwingtem Orchesterbombast. Und das finale „Dust of a Thousand Stars“ klingt wie eine vernebelte Jamsession, bei der der Sänger kurz ohnmächtig wird, die Band aber ungerührt weiterspielt.
Was „Golden Wolf“ letztlich so besonders macht, ist dieses mühelose Gleiten: eine musikalische Reise durch Tagträume, Erinnerungen, Sonnenflecken im Staub. Die Songs wirken wie kleine Landebahnen, jedes Stück ein Ort, an dem man kurz verweilt, bevor es weitergeht. Kein Stress. Keine Eile. Keine überflüssige Dramatik.
Angus Stone bleibt der Dude. Und „Golden Wolf“ ist sein fliegender Teppich aus Klängen, Charme und einer Prise Retro-Weisheit.
Release: 11.04.2025
Label: BMG/Universal
Empfohlene Tracks: Sugarcat, Electric Green Lambo, We Solid Gold, Dust of a Thousand Stars