Blues Highlights


Aktuelle Ausgabe

Blues Highlights Juli 2026

Ausgabe 2

Drei neue Empfehlungen zwischen Memphis-Groove, rauem Band-Blues und modernem Blues Rock

Die zweite Juli Ausgabe wirkt etwas erdiger als die erste. Mick Kolassa bringt auf Blue To The Bone viel Memphis Gefühl, Humor, Lebenserfahrung und klassischen Blues-Songwriter-Charme. Die Delta Generators setzen mit ON & ON auf rohen, direkten Blues Rock mit R&B- und Americana-Kante. Spencer Mackenzie liefert mit Empty Chairs schließlich den jungen, modernen Blues-Rock-Zugriff: kraftvoll, kantig und mit viel Gitarrenenergie.

Mick Kolassa: Blue To The Bone

Kurzportrait

Mick Kolassa gehört zu den Musikern, die den Blues nicht als Pose benutzen, sondern als Sprache. Seit Jahren veröffentlicht er regelmäßig neue Alben, bleibt dabei aber immer nah an seiner eigenen Handschrift: erzählerischer Blues, Memphis-Flair, feiner Humor, Schmerz, Lebenserfahrung und ein Sound, der lieber verbindet als beeindrucken will.

Die Review

Blue To The Bone ist ein Album, das seinen Titel ziemlich direkt erfüllt. Mick Kolassa klingt hier tatsächlich „blue to the bone“, also tief im Blues verwurzelt. Die Platte lebt nicht von spektakulären Gitarrengewittern, sondern von Songwriting, Atmosphäre und dieser Mischung aus Witz und Wehmut, die Kolassa besonders gut liegt.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen smoky Blues, Piano-Groove, Memphis-Bläsern und entspannten Rhythmen. Es ist kein Album, das einen anschreit. Es nimmt sich Zeit, erzählt Geschichten und hat dabei genug Schalk im Nacken, um nicht schwerfällig zu werden. Titel wie „This Getting Old Is Getting Old“, „Bourbon and You“, „All It Takes Is Blues“ oder „I’d Like To Be Recycled“ zeigen schon in der Songliste, dass Kolassa Alter, Verlust, Liebe, Alkohol, Humor und Selbstironie mit der richtigen Portion Blues behandelt.

Besonders stark ist, dass Blue To The Bone nicht versucht, sich neu zu erfinden. Kolassa schärft vielmehr das, was ihn ausmacht: ein tiefer, erzählerischer Blues mit Seele, Erfahrung und Memphis-Wärme. Das Album wurde mit Produzent Jeff Jensen und einer starken Runde aus Memphis-Musikern aufgenommen und klingt entsprechend voll, organisch und geerdet.

Album-Info

Künstler: Mick Kolassa
Album: Blue To The Bone
Label: Endless Blues Records
Veröffentlichung: 24. März 2026
Stil: Memphis Blues, Songwriter-Blues, Roots, Electric Blues
Besonderheit: Laut Blues Blast Magazine ist es Kolassas 16. Album seit 2014; aufgenommen mit Produzent Jeff Jensen und Musikern aus Memphis.

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Delta Generators: ON & ON

Kurzportrait

Die Delta Generators kommen aus Boston und sind seit 2008 aktiv. Ihr Sound steht für Blues Rock mit viel Banddruck, R&B-Energie, Americana-Färbung und einem rohen Live-Gefühl. Das ist keine Musik, die im Studio zu Tode poliert werden will. Die Delta Generators klingen am stärksten, wenn man die Bandchemie spürt.

Die Review

ON & ON ist genau so ein Album: direkt, rau, körperlich. Die Delta Generators bauen ihre Songs nicht um perfekte Oberflächen herum, sondern um Groove, Stimme, Gitarre und gemeinsames Zusammenspiel. Der Blues ist das Fundament, aber darauf liegt deutlich mehr: Rock, R&B, Americana und eine gute Portion Club-Schweiß.

Schon die Vorabsingle „I Got You“ macht klar, wohin die Reise geht. Der Song setzt auf Druck, eingängige Energie und diese bodenständige Mischung aus Blues und Rock, die nicht lange erklärt werden muss. Die Band selbst beschreibt das Thema als etwas, das jeder kennt: die eigenen Dämonen, die man mit sich herumträgt. Das passt gut zu einem Album, das weniger glatt als lebendig wirken will.

ON & ON ist kein nostalgisches Bluesalbum und auch kein reines Rockbrett. Es sitzt genau dazwischen. Die Songs wirken so, als seien sie aus einem funktionierenden Bandraum heraus entstanden: handgemacht, erdig, manchmal kantig, aber immer mit einem klaren Puls. Wer Blues Rock mag, der nicht steril produziert klingt, dürfte hier schnell drin sein.

Album-Info

Künstler: Delta Generators
Album: ON & ON
Label: Self-Release
Veröffentlichung: 22. Mai 2026
Stil: Blues Rock, R&B, Americana, Roots Rock
Besonderheit: Die Band kündigte ON & ON als neues Studioalbum an; die Single „I Got You“ erschien mit offiziellem Video und setzt den Ton für ein roh und live orientiertes Album.

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Spencer Mackenzie: Empty Chairs

Kurzportrait

Spencer Mackenzie ist ein kanadischer Blues-Rock-Gitarrist und Sänger, der längst nicht mehr nur als Nachwuchstalent gesehen werden sollte. JUNO-Nominierung, Maple Blues Award und mehrere starke Veröffentlichungen zeigen: Hier wächst kein Traditionalist nach Vorschrift heran, sondern ein Musiker, der seine Wurzeln kennt und trotzdem deutlich nach vorne will.

Die Review

Empty Chairs ist das modernste Album dieser Ausgabe. Spencer Mackenzie setzt auf Blues Rock mit mehr Druck, mehr Kante und mehr Dynamik. Man hört ihm an, dass er den klassischen Blues verinnerlicht hat, aber nicht bei einer Museumsfassung stehen bleiben möchte. Das Album klingt griffiger, dunkler und offensiver als manches frühere Material.

Besonders interessant ist, dass Mackenzie seinen Sound erweitert. Laut Guitar World arbeitet er auf Empty Chairs stärker mit dynamischen Nuancen, chromatischen Ideen und Strukturen, die über klassische Bluesformen hinausgehen. Gleichzeitig bleibt genug Seele im Spiel, damit die Songs nicht nur als Gitarrenplattform funktionieren. Genau diese Balance ist die Stärke des Albums: moderne Energie, aber kein Verlust der Wurzeln.

Ein besonderer Moment ist seine Version von Rory Gallaghers „Don’t Know Where I’m Going“. Mackenzie nimmt einen eher akustischen Gallagher-Song und verwandelt ihn in eine deutlich kraftvollere, elektrische Variante. Das passt gut zu seinem Ansatz: Respekt vor der Tradition, aber keine Angst davor, sie umzubauen.

Empty Chairs zeigt einen Musiker, der selbstbewusster geworden ist. Nicht alles muss hier nach altem Club-Blues riechen. Das Album denkt größer, klingt druckvoller und zeigt, dass moderner Blues Rock auch 2026 noch Luft nach vorn hat.

Album-Info

Künstler: Spencer Mackenzie
Album: Empty Chairs
Label: Gypsy Soul Records
Veröffentlichung: 20. Februar 2026
Stil: Blues Rock, Modern Blues, Soul, Rock
Besonderheit: Enthält eine elektrische Neubearbeitung von Rory Gallaghers „Don’t Know Where I’m Going“; Mackenzie beschreibt das Album als stärkeren Hybrid aus Blues und Rock.

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Fazit

Diese zweite Juli Ausgabe hat eine schöne innere Logik. Mick Kolassa liefert den erfahrenen, warmen und erzählerischen Memphis-Blues. Die Delta Generators bringen den rauen Band Sound mit Blues-Rock und R&B Schub. Spencer Mackenzie setzt den modernen, gitarrengetriebenen Schlusspunkt.

Drei Alben, drei Generationen von Bluesverständnis, drei Wege nach vorne. Genau so bleibt die Rubrik spannend.