Blues Highlights


Aktuelle Ausgabe

Blues Highlights Juni 2026

Drei neue Empfehlungen zwischen Soul-Blues, britischer Tradition und schwerem Blues Rock

Die neue Auswahl spannt diesmal einen besonders weiten Bogen. Paul Boddy verbindet auf seiner EP Soul Gone Blu’ klassische Soul-Wärme mit Blues und prominenten Gästen. Mick Clarke kehrt auf Blues Before Sunrise tief zu den Wurzeln des britischen Blues zurück. Und Cactus bringen mit Temple Of Blues II: All-Stars schließlich die schwere, druckvolle Variante ins Spiel. Drei Veröffentlichungen, die sehr unterschiedlich klingen wollen und dennoch dasselbe Fundament haben: Blues als lebendige, kraftvolle Musik der Gegenwart.

Paul Boddy: Soul Gone Blu’

Kurzportrait

Paul Boddy ist ein aus England stammender Gitarrist und Sänger, der mit seiner Band The Slidewinders bereits in der US-amerikanischen Bluesszene auf sich aufmerksam gemacht hat. Für Soul Gone Blu’ tritt er erstmals stärker als Solokünstler hervor und widmet sich Musik, die ihn schon früh geprägt hat. Dabei verbindet er seine Bluesbasis mit Soul, Gospelgefühl und einer spürbaren Liebe zu klassischen Songs.

Die Review

Soul Gone Blu’ ist mit sechs Titeln und rund zwanzig Minuten eine EP, aber musikalisch wirkt sie deutlich größer. Paul Boddy stellt hier nicht sich selbst in den Vordergrund, sondern den Charakter der Songs. Das Konzept funktioniert, weil er Soul und Blues nicht künstlich voneinander trennt. Beides gehört hier zusammen: Wärme, Melodie, Schmerz, Groove und diese besondere Art von Emotionalität, die nie dick auftragen muss.

Besonders reizvoll ist die Gästeliste. The Cinelli Brothers wirken bei „So Is The Sun“ mit, Jessie Wagner und Lynn Lockamy verstärken „Cussin’, Cryin’ & Carryin’ On“, Mikey Junior und Early Times bringen weitere Farben ein. Den Abschluss bildet „Need Your Love So Bad“ mit Sonny Landreth an der Slide-Gitarre, eine Verbindung, die für ein solches Projekt beinahe ideal erscheint.

Boddy legt keine bloße Sammlung hübscher Neuinterpretationen vor. Die EP wirkt vielmehr wie eine persönliche Verbeugung vor der Musik, aus der sein eigener Blues entstanden ist. Soul Gone Blu’ ist warm, konzentriert und stilvoll. Eine kurze Veröffentlichung, die gerade durch ihre Beschränkung überzeugt.

Album-Info

Künstler: Paul Boddy
Titel: Soul Gone Blu’
Label: Slide Records
Veröffentlichung: 2. Januar 2026
Gäste: Sonny Landreth, The Cinelli Brothers, Jessie Wagner, Lynn Lockamy, Mikey Junior, Early Times
Stil: Soul-Blues, Roots, Gospel-Blues

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Mick Clarke: Blues Before Sunrise

Kurzportrait

Mick Clarke gehört zu den beständigen Größen des britischen Blues. Bereits Ende der sechziger Jahre war er mit Killing Floor aktiv, später folgten SALT und seine eigene Band. Clarke steht für einen Blues, der sich nie modischen Richtungen anbiedern musste: direkte Gitarre, klarer Rhythmus, klassisches Repertoire und eine Haltung, die aus jahrzehntelanger Erfahrung kommt.

Die Review

Blues Before Sunrise ist ein Album für Hörer, die den Blues gern ohne Umwege hören. Mick Clarke nimmt sich unter anderem Songs aus dem Umfeld von Elmore James, Howlin’ Wolf, Arthur Crudup und Otis Rush vor und bleibt dabei seiner Linie treu: keine überladene Produktion, keine überflüssigen Effekte, kein Versuch, aus klassischem Material etwas künstlich Zeitgemäßes zu machen.

Gerade darin liegt die Stärke dieser Veröffentlichung. Clarke versteht diese Musik nicht als Archivstoff, sondern als Sprache, die er seit Jahrzehnten spricht. Der Titeltrack, „My Own Fault“, „Ain’t Superstitious“, „That’s All Right“ und „All Your Love“ markieren schon in der ersten Albumhälfte, worum es geht: um die elementare Kraft guter Bluesstücke und um einen Gitarristen, der weiß, dass Ausdruck wichtiger ist als bloße Geschwindigkeit.

Das Album ist traditionsbewusst, ohne altbacken zu wirken. Es erinnert daran, wie stark der britische Blues sein kann, wenn er seine amerikanischen Wurzeln respektiert und trotzdem eine eigene Handschrift bewahrt. Blues Before Sunrise ist schnörkellos, glaubwürdig und genau deshalb eine überzeugende Empfehlung für diese Ausgabe.

Album-Info

Künstler: Mick Clarke
Album: Blues Before Sunrise
Label: Rockfold Records
Veröffentlichung: 6. Februar 2026
Stil: British Blues, Blues Rock, traditioneller Electric Blues

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Cactus: Temple Of Blues II: All-Stars

Kurzportrait

Cactus gehörten schon zu Beginn der siebziger Jahre zu den Bands, die Blues Rock mit deutlich mehr Lautstärke, Härte und Muskelkraft spielten. Im Mittelpunkt des heutigen Projekts steht Schlagzeuger Carmine Appice, der für Temple Of Blues II: All-Stars eine beeindruckende Runde prominenter Gäste versammelt hat. Das Ergebnis ist kein stiller Rückblick, sondern ein schweres, kraftvolles Blues-Rock-Statement.

Die Review

Nach den wärmeren und traditionelleren Tönen der ersten beiden Empfehlungen kommt Temple Of Blues II: All-Stars wie ein Verstärker, der plötzlich zwei Stufen lauter gedreht wird. Cactus greifen bekannte Bluesstücke auf und führen sie mitten hinein in ihren eigenen Kosmos aus Hard Rock, Heavy Blues und druckvollem Rhythmusfundament.

Schon die Auswahl zeigt, wohin die Reise geht: „Back Door Man Pt. 1 & 2“ mit Eric Gales und Billy Sheehan, „300 Pounds Of Joy“ mit Ty Tabor, „Moanin’ At Midnight“ mit Pat Travers und „The Little Red Rooster“ mit Dee Snider, Tracii Guns und Jimmy Haslip. Dazu kommen Steve Morse, Joe Lynn Turner, Derek Sherinian, Tony Franklin, Alex Skolnick, Rudy Sarzo, Bumblefoot und weitere Gäste.

Natürlich ist das kein Bluesalbum für Puristen. Cactus spielen diese Songs nicht zurückhaltend und schon gar nicht fein ziseliert. Hier geht es um Gewicht, Lautstärke, große Gitarren und Carmine Appices Schlagzeug, das der ganzen Angelegenheit den nötigen Schub gibt. Gerade deshalb funktioniert das Album als Abschluss dieser Ausgabe so gut. Es zeigt die andere Seite des Blues: nicht leise, nicht intim, sondern groß, rau und mit voller Wucht gespielt.

Temple Of Blues II: All-Stars ist ein Album für alle, die Blues Rock gern mit schwerem Boden unter den Füßen hören. Ein prominentes Aufgebot allein macht noch keine gute Platte. Hier aber passt das Konzept, weil der Blues trotz aller Rock-Power nicht aus dem Zentrum verschwindet.

Album-Info

Künstler: Carmine Appice & Cactus
Album: Temple Of Blues II: All-Stars
Label: Cleopatra Records
Veröffentlichung: 3. April 2026
Gäste: Eric Gales, Billy Sheehan, Pat Travers, Steve Morse, Joe Lynn Turner, Derek Sherinian, Tony Franklin, Alex Skolnick, Rudy Sarzo, Dee Snider, Tracii Guns und weitere
Stil: Heavy Blues Rock, Hard Rock, Electric Blues

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Fazit

Diese Ausgabe zeigt besonders schön, wie weit das Feld der aktuellen Bluesmusik reicht. Paul Boddy beginnt mit einer feinen, soulgetränkten EP, die klassische Inspirationen mit starken Gästen zusammenbringt. Mick Clarke liefert anschließend Blues aus tiefster Überzeugung, gradlinig und fest in der britischen Tradition verwurzelt. Cactus setzen den druckvollen Schlusspunkt mit einem All-Star-Projekt, das bekannte Bluesstücke in schweres Rockformat überführt.

Drei Veröffentlichungen, drei völlig unterschiedliche Zugänge und trotzdem eine gemeinsame Wahrheit: Blues lebt nicht davon, dass er immer gleich klingt. Er lebt davon, dass Musiker ihn mit eigener Haltung weitertragen.