Blues Highlights
Aktuelle Ausgabe
Blues Highlights November 2026
Drei neue Empfehlungen zwischen eigenständigem Songwriter-Blues, experimentierfreudiger Gitarrenarbeit und großer Rückschau
Tas Cru: Might Give Out... But I Won’t Give In
Kurzportrait
Tas Cru gehört seit Jahren zu den markanten Songwritern der amerikanischen Bluesszene. Er kommt aus dem Bundesstaat New York und verbindet Blues mit Soul, Roots Rock, Funk und gelegentlichen Americana-Einflüssen. Dabei steht bei ihm nicht die große Gitarrenshow im Vordergrund, sondern der Song selbst: Geschichten, Charaktere, Humor und ein Sound, der bewusst nicht auf Hochglanz getrimmt ist.
Die Review
Might Give Out... But I Won’t Give In ist ein Album über Durchhaltevermögen, Lebenserfahrung und die Fähigkeit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Der Titel bringt diese Haltung schon ziemlich gut auf den Punkt.
Der Opener Might Give Out legt mit einem entspannten, aber bestimmten Groove los. Tas Crus raue Stimme und sein zurückhaltendes Gitarrenspiel passen hervorragend zu einem Song, der eher über Haltung als über große Gesten funktioniert. Danach öffnet sich das Album schnell in verschiedene Richtungen.
Lucky At Love bringt gemeinsam mit Mary Ann Casale eine wärmere Soul-Färbung hinein, während Known All Along deutlich entspannter und fast R&B-artig daherkommt. Pass Them Biscuits ist dagegen ein schneller, augenzwinkernder Song mit kräftigem Rhythmus und Mundharmonika. Tulsa Tornado arbeitet stärker mit Atmosphäre und Slide-Gitarre.
Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Cru diese unterschiedlichen Stilrichtungen miteinander verbindet. Das Album wirkt nie wie eine Sammlung musikalischer Experimente. Es bleibt in sich geschlossen, weil Stimme, Songwriting und Gitarrenspiel immer eindeutig nach Tas Cru klingen.
Den ruhigen Gegenpol setzt Come to Be, erneut mit Mary Ann Casale. Ganz am Ende reduziert Smell Like Whiskey alles auf Stimme und Gitarre. Gerade dieser Abschluss zeigt noch einmal, dass Cru keine große Produktion braucht, um Wirkung zu erzielen.
Might Give Out... But I Won’t Give In ist kein Album, das mit Virtuosität beeindrucken will. Seine Stärke liegt in guten Songs, warmen Arrangements und einer angenehm unangestrengten Mischung aus Blues, Soul und Roots Rock. Tas Cru selbst betont, dass bei den Aufnahmen Gefühl wichtiger war als Perfektion. Genau das hört man.
Album Info
Künstler: Tas Cru
Album: Might Give Out... But I Won’t Give In
Label: Subcat Records
Veröffentlichung: 24. Juli 2026
Umfang: 10 Titel
Stil: Contemporary Blues, Soul, Roots Rock, Americana
Besonderheit: Mary Ann Casale ist bei mehreren Songs als Gastsängerin zu hören. Das Album verbindet elektrische Bandstücke mit einem vollständig akustischen Abschluss.
Peter Parcek: Most of the Time
Kurzportrait
Peter Parcek gehört zu jenen Gitarristen, die sich nur schwer in eine klassische Blues-Schublade stecken lassen. Der in Boston beheimatete Musiker verbindet traditionellen Blues mit Jazz, Rock, Funk, Country und Einflüssen aus der britischen Bluesgeschichte. Seinen eigenen Ansatz nennt er „Soul Guitar“, ein Begriff, der hier tatsächlich sinnvoll ist, weil Parceks Spiel stark über Ton, Atmosphäre und ungewöhnliche Wendungen funktioniert.
Die Review
Most of the Time ist wahrscheinlich das musikalisch anspruchsvollste Album dieser Ausgabe. Peter Parcek nimmt den Blues als Ausgangspunkt, lässt sich davon aber keine engen Grenzen setzen.
Schon Twistified und How Many Times zeigen seine Stärke: eigenwillige Arrangements, viel Raum für die Gitarre und trotzdem keine bloße Demonstration technischer Fähigkeiten. Parceks Spiel ist präzise, aber nie kalt. Er setzt Akzente, verändert Stimmungen und nutzt die Gitarre eher als Stimme denn als Effektgerät.
Der Titelsong Most of the Time stammt von Bob Dylan und gehört zu den besonderen Momenten des Albums. Parcek verändert den Song deutlich, ohne seinen Kern zu verlieren. Akustische Gitarren, zurückhaltende Arrangements und Danielle Miraglias Gesang geben der Nummer eine ganz eigene Atmosphäre.
Auch die Auswahl der weiteren Fremdkompositionen ist bemerkenswert. I Don’t Worry Bout A Thing von Mose Allison, Grandma’s Hands von Bill Withers und 61 Highway von Fred McDowell zeigen, wie breit Parcek denkt. Dazu kommen eigene Stücke und zwei Bonustracks, darunter Lord Help The Poor & Needy und Swooshy.
Die Gästeliste ist ebenso stark: Duke Robillard, Luther Dickinson, Mickey Raphael, Kevin Barry, Mark Earley und Danielle Miraglia gehören zu den Musikern, die auf dem Album mitwirken. Trotzdem bleibt Parcek jederzeit das Zentrum.
Mit 15 Titeln und mehr als 78 Minuten ist Most of the Time kein kurzes Album. Es verlangt Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, bekommt aber deutlich mehr als klassischen Blues Rock. Hier treffen Tradition, musikalische Neugier und außergewöhnliche Gitarrenarbeit aufeinander.
Album Info
Künstler: Peter Parcek
Album: Most of the Time
Label: Lightnin Records
Veröffentlichung: 14. August 2026
Umfang: 15 Titel, ca. 78 Minuten
Stil: Blues, Blues Rock, Soul Guitar, Americana
Gäste: Duke Robillard, Luther Dickinson, Mickey Raphael, Kevin Barry, Danielle Miraglia und weitere
Besonderheit: Mischung aus eigenen Songs, Blues-Klassikern und Interpretationen von Bob Dylan, Mose Allison, Bill Withers und Fred McDowell.
PK Mayo: All Before Yesterday
Kurzportrait
PK Mayo, mit bürgerlichem Namen Paul Mayasich, blickt auf eine mehr als vierzigjährige Laufbahn zurück. Der Gitarrist und Sänger aus Minnesota bewegt sich seit jeher zwischen Blues, Rock, Americana, Country und Folk. Besonders prägend ist sein Slide-Gitarrenspiel, das früh von Duane Allman und Ry Cooder beeinflusst wurde.
Die Review
All Before Yesterday ist kein normales Studioalbum, sondern eine musikalische Rückschau. Auf zwei CDs und 23 Titeln blickt PK Mayo auf seine lange Karriere zurück und kombiniert älteres Material mit einigen neueren Aufnahmen. Das könnte leicht wie eine gewöhnliche Best-of-Sammlung wirken. Tut es aber nicht. Die Zusammenstellung ist so aufgebaut, dass sie eher wie eine lange Reise durch verschiedene Phasen und Stilrichtungen wirkt.
Schon Mercury Blues eröffnet kraftvoll und direkt. Danach zeigt Tell Me eine deutlich persönlichere Seite. Prisoner, Too Gone oder Texas Toast bewegen sich zwischen Blues und Rock, während Somewhere in the Night und The Road Behind mehr Atmosphäre und Nachdenklichkeit hineinbringen. Auf der zweiten CD geht die Reise mit Stücken wie Black Coffee, Good Man Blues, Vidalia, Georgia, Campaign Road und Arms of the Blues weiter.
Die große Stärke liegt in der stilistischen Breite. Mayo wechselt zwischen elektrischer Band, kleineren Besetzungen und reduzierten Arrangements. Dabei begegnen sich Blues, Americana, Rock, Country und Folk, ohne dass das Album auseinanderfällt. Gerade sein Slide-Spiel bildet dabei immer wieder die Verbindung. Es ist kein Zufall, dass Mayo selbst sagt, Blues sei für ihn weniger ein einzelner Stil als vielmehr der gemeinsame Kern seiner gesamten Musik.
Mit 23 Titeln und rund zwei Stunden Spielzeit verlangt All Before Yesterday etwas Zeit. Aber genau das gehört zum Konzept. Dieses Album will keinen schnellen Überblick liefern. Es erzählt eine musikalische Lebensgeschichte. Und das funktioniert überraschend gut. Nicht jeder Song muss gleich stark sein, aber die Gesamtschau zeigt einen Musiker, der über Jahrzehnte seinen eigenen Weg verfolgt hat, ohne sich auf eine einzige Stilrichtung festlegen zu lassen.
Album Info
Künstler: PK Mayo
Album: All Before Yesterday
Label: New Folk Records
Veröffentlichung: 3. April 2026
Format: Doppel-CD
Umfang: 23 Titel
Stil: Blues, Americana, Rock, Country, Folk
Besonderheit: Rückblick auf mehr als vier Jahrzehnte musikalischer Arbeit mit überwiegend eigenen Songs und einigen neuen Aufnahmen. PK Mayo bezeichnet das Album als sein zehntes CD-Projekt.
Fazit
Diese November-Ausgabe zeigt drei sehr unterschiedliche Wege, den Blues als Ausgangspunkt zu nehmen.
Tas Cru liefert mit Might Give Out... But I Won’t Give In das zugänglichste und unmittelbarste Album der Auswahl. Seine Mischung aus Blues, Soul, Humor und Songwriting funktioniert ohne große Effekte.
Peter Parcek geht auf Most of the Time deutlich weiter. Sein Blues ist offen, musikalisch anspruchsvoll und geprägt von einem sehr persönlichen Gitarrenstil.
PK Mayo blickt mit All Before Yesterday schließlich zurück und zeigt auf 23 Songs, wie viele verschiedene Richtungen ein Musiker einschlagen kann, ohne die Verbindung zum Blues zu verlieren.
Drei Veröffentlichungen, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, warum Blues auch dann interessant bleibt, wenn Musiker nicht versuchen, immer wieder dieselbe Platte aufzunehmen.
