Blues Highlights


Aktuelle Ausgabe

Blues Highlights Oktober 2026

Danny Liston, John Primer & Friends und Chris O’Leary zeigen drei sehr unterschiedliche Seiten des Blues: Southern Rock und Soul mit persönlicher Geschichte, authentischen Chicago Blues aus dem Umfeld der legendären Theresa’s Lounge und kraftvollen modernen Harmonica Blues.

Danny Liston: Everybody

Kurzportrait

Danny Liston ist vor allem als Mitbegründer der Southern-Rock-Band Mama’s Pride bekannt. Seine musikalischen Wurzeln liegen in St. Louis, Southern Rock, Soul und Blues. Mit Everybody legt er ein sehr persönliches Album vor, das deutlich von Lebenserfahrung, Abstürzen, Neuanfang und Dankbarkeit geprägt ist.

Die Review

Everybody ist kein klassisches Bluesalbum. Und genau das sollte man auch nicht daraus machen wollen. Danny Liston verbindet Southern Rock, Soul, R&B und Blues zu einem Album, das vor allem von seiner kraftvollen Stimme und sehr persönlichen Geschichten lebt.

Der Titelsong Everybody eröffnet mit Bekka Bramlett und setzt sofort den Ton: warm, soulbetont und getragen von der Botschaft, dass niemand im Leben ganz allein zurechtkommt. Danach wird es musikalisch breiter. Didn't Find My Blues in Mississippi kombiniert Blues mit Funk und Bläsern, während Real Man fast gospelartige Züge entwickelt.

Besonders stark sind die Songs, in denen Liston seine eigene Vergangenheit verarbeitet. Goodbye Jack Daniels erzählt vom Abschied vom Alkohol, ohne daraus eine pathetische Selbsttherapie zu machen. A Change Has Come bildet als ruhiger, persönlicher Abschluss den Gegenpol dazu. Dazwischen stehen Stücke wie Old Friends, Right As Rain und Made To Rock & Roll, die zwischen Freundschaft, Liebe und der alten Leidenschaft für Rockmusik pendeln.

Produzent Jim Gaines gibt dem Album einen klaren, warmen Sound. Die Besetzung mit Musikern wie Steve Potts, Dave Smith und Will McFarlane sorgt dafür, dass die Platte jederzeit souverän klingt, ohne glattgebügelt zu wirken.

Everybody ist deshalb vor allem eines: ein ehrliches, erwachsenes Album eines Musikers, der viel erlebt hat und nicht mehr so tun muss, als wäre Rock ’n’ Roll nur Jugend und Rebellion.

Album Info

Künstler: Danny Liston
Album: Everybody
Label: Blue House Records
Veröffentlichung: 10. Februar 2023
Umfang: 10 Titel, ca. 45 Minuten
Stil: Southern Rock, Soul, R&B, Blues
Produktion: Jim Gaines
Besonderheit: Persönlich geprägte Songs über Freundschaft, Sucht, Genesung und Neuanfang

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John Primer & Friends: Tribute To Theresa’s Lounge

Kurzportrait

John Primer gehört zu den wichtigsten noch aktiven Vertretern des traditionellen Chicago Blues. Er spielte unter anderem mit Muddy Waters, Willie Dixon und Magic Slim. Theresa’s Lounge am South Side von Chicago war für ihn und viele andere Musiker weit mehr als nur ein Club. Es war Arbeitsplatz, Schule und Treffpunkt einer ganzen Generation von Bluesmusikern.

Die Review

Tribute To Theresa’s Lounge ist deshalb weit mehr als ein nostalgisches Tribute-Album. John Primer bringt Musiker zusammen, deren Karrieren tatsächlich eng mit diesem legendären Club verbunden sind. Das Projekt bewahrt nicht nur Songs, sondern Erinnerungen und persönliche Geschichte.

Schon die Gästeliste macht deutlich, wie tief dieses Album im Chicago Blues verwurzelt ist: Billy Branch, Bob Stroger, Mary Lane, Willie Buck, Carlos Johnson, Harmonica Hinds und John Watkins gehören zu den Musikern, die hier noch einmal zusammenkommen. Alle haben eine direkte Verbindung zu Theresa’s Lounge.

Musikalisch bleibt die Platte konsequent bei dem Sound, für den der Club stand. Sugar Sweet mit Billy Branch, Champagne And Reefer mit Willie Buck und She’s Nineteen Years Old mit Carlos Johnson greifen tief in die Muddy-Waters-Tradition. Mary Lane bekommt mit Mary’s Song ihren eigenen Moment, während Primer mit Stücken wie 7 Nights For 7 Years, We All Need Help und Blues Survivalist auch persönliche Erinnerungen einbringt.

Gerade darin liegt die Stärke des Albums. Es versucht nicht, Theresa’s Lounge künstlich wiederauferstehen zu lassen. Stattdessen erzählen Musiker, die dort gespielt haben, ihre Geschichte mit den Mitteln, die ihnen am nächsten liegen: Blues.

Das Ergebnis klingt unmittelbar, authentisch und erstaunlich lebendig. Kein Museumsstück, sondern eine musikalische Erinnerung daran, wie wichtig kleine Clubs für die Entwicklung einer ganzen Musikrichtung sein können.

Album Info

Künstler: John Primer & Friends
Album: Tribute To Theresa’s Lounge
Label: Blues House Productions
Veröffentlichung: 5. Juni 2026
Umfang: 13 Titel, ca. 56 Minuten
Stil: Chicago Blues, Electric Blues
Gäste: Billy Branch, Bob Stroger, Mary Lane, Willie Buck, Carlos Johnson, Harmonica Hinds, John Watkins und weitere
Besonderheit: Begleitend zum Album entstand auch eine Dokumentation über Theresa’s Lounge und seine Bedeutung für den Chicago Blues.

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Chris O’Leary: Blue Collar

Kurzportrait

Chris O’Leary hat eine ungewöhnliche Biografie. Er war Marine, Bundespolizist und Sänger von Levon Helms Barn Burners, bevor er sich ganz seiner eigenen Musik widmete. Als Sänger, Songwriter und Mundharmonikaspieler verbindet er klassischen Chicago Blues mit Soul, Roadhouse Blues und sehr persönlichen Geschichten.

Die Review

Blue Collar trägt seinen Titel nicht zufällig. Chris O’Leary schreibt über Menschen, die arbeiten, kämpfen, Fehler machen und trotzdem weitermachen. Seine Songs stammen hörbar aus eigener Erfahrung und wirken gerade deshalb so glaubwürdig.

Schon Bad Decisions zeigt, worum es geht. O’Leary erzählt mit trockenem Humor und ohne Selbstmitleid von Entscheidungen, die man besser nicht getroffen hätte. Justice Must Be Blind schlägt ernstere Töne an, während Lady Luck und After 2 A.M. stärker auf Groove und Atmosphäre setzen.

Musikalisch steht seine Mundharmonika oft im Zentrum, aber nie allein. Die Band spielt kraftvoll, direkt und mit viel Gefühl für Dynamik. Dazu kommt O’Learys Stimme, die gleichzeitig rau und soulbetont klingt. Gerade diese Kombination macht das Album abwechslungsreich.

Alle elf Songs stammen von O’Leary selbst. Das ist wichtig, weil Blue Collar dadurch nicht wie eine weitere Sammlung bekannter Bluesmuster wirkt. Stücke wie Nothing But A Memory, One Way Street oder How’d I Ever Get Along? zeigen, dass er seine musikalischen Wurzeln kennt, aber eigene Geschichten erzählen will.

Blue Collar ist ein sehr geschlossenes Album. Humor, Härte und Nachdenklichkeit liegen nah beieinander, ohne dass die Platte ihre Energie verliert. Für mich ist es eines dieser Alben, die zeigen, dass traditioneller Blues auch dann frisch klingen kann, wenn man nicht versucht, ihn künstlich zu modernisieren.

Album Info

Künstler: Chris O’Leary
Album: Blue Collar
Label: Alligator Records
Veröffentlichung: 10. Juli 2026
Umfang: 11 Titel, ca. 47 Minuten
Stil: Contemporary Blues, Harmonica Blues, Soul, Chicago Blues
Besonderheit: Zweites Album für Alligator Records, selbst produziert und ausschließlich mit eigenen Songs.

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Fazit

Diese Ausgabe lebt von ihren Gegensätzen. Danny Liston bewegt sich mit Everybody deutlich zwischen Southern Rock, Soul und Blues und liefert dabei das persönlichste Album der Auswahl. John Primer blickt mit Tribute To Theresa’s Lounge auf einen zentralen Ort der Chicago-Blues-Geschichte zurück und bringt dabei einige seiner wichtigsten Weggefährten zusammen. Chris O’Leary schlägt mit Blue Collar die Brücke zur Gegenwart und verbindet traditionelle Bluesformen mit eigenständigem Songwriting.

Drei Alben, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, dass Blues nicht nur ein bestimmter Sound ist. Er lebt von Geschichten, Menschen und Erfahrungen.