Blues Highlights


Aktuelle Ausgabe

Blues Highlights September 2026

Drei neue Empfehlungen zwischen Louisiana Blues, klassischem Electric Blues und großer Chicago Tradition

Doug Duffey & BADD: Souvenirs

Kurzportrait

Doug Duffey ist seit Jahrzehnten Teil der Musikszene Louisianas. Sänger, Songwriter und Keyboarder in einer Person, dazu ein Musiker, dessen musikalische Vergangenheit weit über den Blues hinausreicht. Seine Songs wurden unter anderem von Marcia Ball, George Clinton und Funkadelic aufgenommen. Mit BADD hat Duffey eine Band gefunden, die Louisiana Blues, Delta Soul, New Orleans Funk und Memphis Soul ganz selbstverständlich zusammenführt.

Die Review

Souvenirs braucht nicht lange, um seine Herkunft klarzumachen. Schon „Broken Heart And Empty Hand“ verbindet entspannten Blues mit Soul und einem leichten Jazz Einschlag. Danach wird schnell deutlich, dass sich Doug Duffey & BADD nicht auf eine einzige Spielart festlegen wollen.

„Bad Luck“ lebt von Duffeys Hammond und Piano, „Axe Jes Rite“ taucht tiefer in einen sumpfigen Louisiana Groove ein, während „Sinking Into The Blues“ mit seinem Shuffle deutlich näher am klassischen Blues liegt. Besonders schön ist „Delta Melody“, eine ruhige, fast wehmütige Erinnerung an die Landschaft und das Leben im Mississippi Delta.

Das Herz des Albums liegt aber nicht in einzelnen Stilrichtungen. Es ist diese selbstverständliche Mischung aus Blues, Soul und Funk, die Souvenirs so angenehm macht. Die Band spielt präzise, aber nie steril. Dan Sumners Gitarre bekommt genügend Raum, Duffeys Keyboards geben vielen Songs zusätzliche Wärme, und die Rhythmusgruppe hält alles angenehm beweglich.

Auch der Titelsong passt hervorragend in dieses Bild. „Souvenirs“ blickt zurück, ohne sentimental zu werden. Erinnerungen, Abschied und Lebenserfahrung bilden den Kern eines Albums, das hörbar von Musikern eingespielt wurde, die nichts mehr beweisen müssen.

Doug Duffey selbst bezeichnet diese Mischung augenzwinkernd als „Swampedelic“. Normalerweise würde ich bei solchen Wortschöpfungen vorsichtig sein, hier stammt der Begriff aber tatsächlich von der Band selbst. Treffender beschrieben ist es vielleicht als Louisiana Blues mit viel Soul und Funk.

Album Info

Künstler: Doug Duffey & BADD
Album: Souvenirs
Label: Fort Sumner Music
Umfang: 9 Titel, ca. 40 Minuten
Stil: Louisiana Blues, Delta Soul, Bayou Funk, R&B
Besetzung: Doug Duffey, Dan Sumner, Benjamin Ford, Adam Ryland
Besonderheit: Das fünfte Studioalbum der Band. Die aktuelle internationale Veröffentlichung wird mit Juli 2026 geführt, während einige Streamingplattformen die ursprüngliche digitale Veröffentlichung bereits 2025 datieren.

Video ansehen

Peter Veteska & Blues Train: Key of V

Kurzportrait

Peter Veteska & Blues Train stehen für Electric Blues ohne große Umwege. Die 2013 gegründete Band aus New Jersey hat sich über mehrere Alben einen klaren eigenen Platz in der amerikanischen Bluesszene erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen Veteskas Gitarre und Stimme, getragen von einer Band, die hörbar lange zusammenspielt und genau weiß, wann sie Raum geben und wann sie zupacken muss.

Die Review

Key of V eröffnet mit „Checking On My Baby“ von Otis Rush und macht damit sofort klar, wo die musikalischen Wurzeln liegen. Jeff Levines Hammond B3 treibt den Song an, während Veteska seine Gitarre vergleichsweise sparsam einsetzt. Das ist eine der Stärken des Albums: Hier muss nicht jeder freie Takt mit einem Solo gefüllt werden.

Die zehn Songs teilen sich in fünf Eigenkompositionen und fünf Interpretationen fremder Stücke. Dadurch entsteht ein schöner Wechsel zwischen Vertrautem und Eigenem. Die Band behandelt ihre Vorbilder mit Respekt, versucht aber nicht, historische Aufnahmen möglichst genau nachzustellen.

Veteska ist kein Gitarrist, der Geschwindigkeit mit Ausdruck verwechselt. Sein Spiel ist kräftig, klar und immer eng mit dem jeweiligen Song verbunden. Dazu kommen Chuck Hearne am Bass, Alex D’Agnese am Schlagzeug und Jeff Levine an den Keyboards. Gastbeiträge von Mikey Junior an der Harp und Danny Walsh am Saxofon sorgen für zusätzliche Abwechslung.

Gerade diese Besetzung macht Key of V zu einem ausgesprochen geschlossenen Album. Man hört eine Band, keinen Solisten mit Begleitmusikern. Die Arrangements sind kompakt, der Blues bleibt im Zentrum, und trotzdem klingt die Platte nicht wie ein Rückblick auf vergangene Zeiten.

Das Ergebnis ist klassischer Electric Blues, der nicht komplizierter sein will, als er sein muss. Gute Songs, starke Gitarre und vor allem ein überzeugendes Zusammenspiel.

Album Info

Künstler: Peter Veteska & Blues Train
Album: Key of V
Veröffentlichung: 23. Januar 2026
Umfang: 10 Titel, ca. 38 Minuten
Stil: Electric Blues, Blues Rock, Chicago Blues
Besonderheit: Fünf Eigenkompositionen und fünf Coverversionen, darunter der Opener „Checking On My Baby“ von Otis Rush.

Video ansehen

Bob Corritore & Friends: Ernestine Blues

Kurzportrait

Bob Corritore ist weit mehr als nur einer der besten Blues Harp Spieler seiner Generation. Über Jahrzehnte hat er sich auch als Produzent, Veranstalter und Bewahrer der amerikanischen Bluestradition einen Namen gemacht. Sein Rhythm Room in Phoenix wurde dabei zu einem Treffpunkt für Musiker aus ganz unterschiedlichen Regionen und Generationen. Aus diesen Begegnungen entstanden zahlreiche Aufnahmen und die inzwischen fast schon eigene Kategorie „Bob Corritore & Friends.“

Die Review

Ernestine Blues ist vielleicht eines der überzeugendsten Beispiele dafür, warum dieses Konzept so gut funktioniert. Sechzehn Songs, eine beeindruckende Zahl unterschiedlicher Sänger und Musiker, Aufnahmen aus mehreren Sessions zwischen 2023 und 2025, und trotzdem klingt das Ergebnis nicht wie eine lose Zusammenstellung.

Corritore hält alles zusammen.

Dabei stellt er seine Mundharmonika nie unnötig in den Vordergrund. Sie kommentiert, antwortet und unterstützt. Genau dadurch bekommen die jeweiligen Sänger genügend Raum, ihre eigene Persönlichkeit einzubringen.

Die Gästeliste ist bemerkenswert: Sugaray Rayford, Johnny Rawls, Bob Stroger, Tia Carroll, Willie Buck, Oscar Wilson, Teeny Tucker, Carla Denise und der inzwischen verstorbene Pat Thomas gehören zu den Stimmen des Albums. Dazu kommen Musiker wie Bob Margolin, Kid Ramos, Billy Flynn, Anthony Geraci und Ben Levin.

Schon der Opener „How’d You Learn To Shake It Like That“ mit Tony Coleman setzt den Ton. Carla Denise überzeugt gleich mehrfach, Sugaray Rayford bringt seine enorme Stimme in „Blind Man Cry“ ein, Johnny Rawls verbindet in „I Love The South“ Blues und Southern Soul, und Willie Bucks „Standing On The Bank“ führt tief in den traditionellen Chicago Blues.

Sehr stark ist auch Oscar Wilson. Seine Versionen von „She Might Need Me“ und „Down In Mississippi“ gehören zu den Momenten, in denen sich das Album besonders viel Zeit nimmt. Den Abschluss übernimmt Teeny Tucker mit dem gut gelaunten „Shoes“.

Ernestine Blues zeigt, warum Corritores Veröffentlichungen regelmäßig so gut funktionieren. Er bringt herausragende Musiker zusammen, gibt jedem seinen Platz und verliert dabei nie aus den Augen, worum es eigentlich geht: den Song.

Das Ergebnis ist ein Album zwischen Chicago Blues, Mississippi Blues, frühem R&B und Soul Blues, das die Tradition nicht konserviert, sondern lebendig hält. Von den drei Empfehlungen dieser Ausgabe ist Ernestine Blues für mich deshalb die stärkste.

Album Info

Künstler: Bob Corritore & Friends
Album: Ernestine Blues
Label: VizzTone
Veröffentlichung: 10. April 2026
Umfang: 16 Titel, ca. 55 Minuten
Stil: Chicago Blues, Mississippi Blues, R&B, Soul Blues
Besonderheit: Aufnahmen aus den Jahren 2023 bis 2025 mit einer außergewöhnlich großen Besetzung aus etablierten Bluesmusikern verschiedener Generationen.

Video ansehen

Fazit

Diese September-Ausgabe führt sehr schön durch unterschiedliche Regionen und Traditionen des amerikanischen Blues.

Doug Duffey & BADD bringen Louisiana, Delta Soul und Funk zusammen und liefern das farbigste Album der Auswahl. Peter Veteska & Blues Train setzen dagegen auf direkten Electric Blues und ein starkes Zusammenspiel. Bob Corritore & Friends schließen die Ausgabe mit einer großen Reise durch Chicago Blues, Mississippi Blues, R&B und Soul ab.

Drei Veröffentlichungen, die ihre Wurzeln kennen, ohne daraus eine historische Übung zu machen. Genau darum geht es bei den Blues Highlights.