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Neu im Fokus

Joe Bonamassa: The Spirit Of Rory – Live From Cork

Eine Verneigung, die nicht nach Pflichtübung klingt

Rory Gallagher zu würdigen, ist eine heikle Aufgabe. Zu groß ist sein Einfluss, zu eigen war sein Ton, zu unmittelbar seine Art, Bluesrock zu spielen. Wer sich an dieses Repertoire wagt, muss mehr mitbringen als technische Klasse und eine gute Band. Er muss verstehen, dass Gallagher nie nur ein Gitarrist war, sondern eine Haltung.

Joe Bonamassa stellt sich dieser Herausforderung mit The Spirit Of Rory – Live From Cork an einem Ort, an dem jede falsche Geste sofort aufgefallen wäre: in Cork, Rory Gallaghers Heimatstadt. Die Aufnahmen entstanden 2025 während drei ausverkaufter Konzerte im Live at the Marquee. Das Ergebnis ist kein routinierter Tribute-Abend, sondern ein Livealbum mit spürbarem Respekt, Energie und erstaunlich wenig Selbstinszenierung.

Bonamassa hat für das Programm 14 Songs ausgewählt, die Gallaghers ganze Bandbreite abdecken. Da sind die elektrischen Brecher wie „Cradle Rock“, „Walk On Hot Coals“, „Bullfrog Blues“ und „Bad Penny“. Daneben stehen Stücke wie „Tattoo’d Lady“, „Calling Card“, „I Fall Apart“ oder „A Million Miles Away“, die zeigen, wie viel Melodie, Soul und Verletzlichkeit in Gallaghers Musik steckten.

Gerade darin liegt die Stärke dieses Albums. Bonamassa versucht nicht, Rory Gallagher zu kopieren. Das wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt. Stattdessen spielt er diese Songs mit seinem eigenen, deutlich kontrollierteren Ton, lässt aber genügend Rauheit und Live-Druck zu, damit der Geist der Originale nicht glattpoliert wird. Seine Gitarre klingt präzise und kraftvoll, doch sie bleibt im Dienst der Songs.

Besonders gelungen ist die Dramaturgie. Das Album beginnt mit Vollgas, bleibt aber nicht dauerhaft im roten Bereich. Die Band kann grooven, atmen und Raum lassen. „I Fall Apart“ und „A Million Miles Away“ bekommen die emotionale Tiefe, die sie brauchen, während „Messin’ With The Kid“ und „Treat Her Right“ den lockeren, bluesigen Kern des Abends freilegen. Erst zum Schluss wird mit „Back On My Stompin’ Ground“ endgültig die Tür zugeschlagen.

Dass Bonamassa dieses Projekt gemeinsam mit Gallaghers Familie realisieren konnte, gibt dem Ganzen zusätzliches Gewicht. Auf den DVD- und Blu-ray-Ausgaben kommen außerdem Bonusmaterial und Gespräche über Gallaghers Einfluss hinzu, unter anderem mit Brian May und Slash. Das ist sinnvoll, weil dieses Album nicht nur für eingefleischte Bonamassa-Fans funktioniert. Es kann auch ein überzeugender Einstieg für Hörer sein, die Rory Gallagher bislang nur dem Namen nach kennen.

Fazit

The Spirit Of Rory – Live From Cork ist ein starkes, ehrliches und sehr lebendiges Tribute-Album. Joe Bonamassa beweist hier nicht, dass er schneller oder sauberer spielen kann als andere. Er beweist etwas Wichtigeres: dass er Rory Gallagher ernst nimmt. Die Songs bleiben rau, emotional und voller Bewegung. Genau so sollte eine Verneigung vor einer Bluesrock-Legende klingen.

Album Info

Künstler: Joe Bonamassa
Titel: The Spirit Of Rory – Live From Cork
Veröffentlichung: 19. Juni 2026
Label: J&R Adventures
Aufnahme: Live at the Marquee, Cork, Irland, 2025
Stil: Bluesrock, Electric Blues, Live Tribute
Besonderheit: Hommage an Rory Gallagher in dessen Heimatstadt Cork

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐ (8/10)

Im Fokus

Mike Zito: Outside Or The Eastside – Rückkehr zu den Wurzeln

Mike Zito hat mit seinem neuen Album Outside Or The Eastside eine leidenschaftliche Hommage an die raue, nächtliche Seele seiner Heimat St. Louis gezaubert; jenes Eastside-Viertel, wo Blues, Rock und Erinnerungen in neonbeleuchteten Gassen verschmelzen. Als frisch gekrönter Blues Music Award-Gewinner für das Album des Jahres 2025 in der Kategorie Blues-Rock präsentiert der Gitarrist, Sänger und Produzent hier sein viertes Werk bei Gulf Coast Records: vier eigene Songs, sieben klug gewählte Covers und eine Band, die vor Energie strotzt. Zito hat das Album selbst produziert mit Scot Sutherland am Bass, Lewis Stephens an den Keys und Matthew R. Johnson am Schlagzeug.

Schon der Opener „Outside Or The Eastside“ (3:33) haut rein: Ein Shuffle mit Zitos knackigem Gitarrenriff, Stephens’ präzisen Klavierakzenten und einem Refrain, der an Zeppelinsche Wucht erinnert, ein Versprechen auf Schwung und Nostalgie. Nahtlos setzt „Don’t Take Advantage Of Me“ (4:24) von Lonnie Brooks fort, wo Zito in fuzzigen Soli mit dreckiger Textur explodiert, während Johnsons Drums mit geschmeidigen Fills den Groove antreiben: Reine Banddynamik, die unter die Haut geht. Dann das funky Original „Kiss You All Over“ (5:20), pulsierend und verführerisch, mit Vocals, die Zitos melodisches Gitarrespiel in den Vordergrund rücken.  

„Downtown At Midnight“ (5:59) webt dunkle Riffs zu einem filmischen Noir-Bild: Zito singt brutal ehrlich von Sucht, gebrochenem Vertrauen und neonbeleuchteten Entscheidungen. Es fühlt sich an wie ein Spaziergang durchs Rotlicht, intensiv und unvergesslich. „Grand Avenue“ (4:36) hält den Drive, bevor Buddy Guys „Too Broke To Spend The Night“ (5:01) in feurigen Gitarrenfeuerwerken detoniert. Willie Dixons „Just Like I Treat You“ (3:51) und „Close To You“ (4:05) bekommen durch upbeatiges Tempo und klaviergetriebenen Schwung neuen Glanz, Nina Simones „Do I Move You“ (5:19) sultrige Tiefe mit Organ und respektvollen Licks. „Don’t Bother Me“ (4:01) rundet die Mitte ab, ehe der achtminütige Abschluss „The Blues Lover“ (8:18) als Hommage an Roy Buchanan zu einem jamartigen Blues-Rock-Fest wird: Bends, Swells und soulvolle Ekstase, wo Zito seine Virtuosität zelebriert.

Fazit

Outside Or The Eastside ist Zitos Reife als Songwriter und Shredder in Bestform: Gritty, groovy, bühnenreif. Er zeigt hier einmal mehr, dass es nicht um Geschwindigkeit oder Virtuosität geht, sondern um Gefühl und die Fähigkeit, Geschichten zu transportieren. Ein vitales Album, das die Eastside-Legende atmet und nach mehr Live ruft.

Meine Empfehlung:

Wer Blues-Rock mit Charakter, Authentizität und musikalischer Tiefe sucht, wird hier fündig.

Album Info

Titel: Outside Or The Eastside

Interpret: Mike Zito

Veröffentlichung: 24. April 2026 Gulf Coast Records

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐ (8/10)