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Im Fokus
Amani Burnham – Roots & Wings
Amani Burnham, gerade einmal 20 Jahre alt, liefert mit Roots & Wings sein Debütalbum ab und es klingt, als hätte Jimi Hendrix ein Zeitreise-Kind gezeugt. Sein Gesang und besonders sein Gitarrenspiel erinnerten mich beim ersten Hören extrem stark an Jimi Hendrix: die rotzige, verzerrte Tonqualität, die schnellen aber entspannten Grooves, das auffällig reife Vibrato und die kosmischen Soli. Man spürt sofort, dass hier ein Musiker am Werk ist, der die Sprache der Blues-Rock-Legenden nicht nur versteht, sondern sie mit eigener Stimme fortführt.
Geboren in Äthiopien und als Adoptivkind in Connecticut aufgewachsen, wurde Burnham durch seinen musikbegeisterten Vater von Kindheit an mit Live-Videos von Musiklegenden konfrontiert. Chuck Berry wurde sein erster Gitarren-Held, gefolgt von Jimi Hendrix, Jeff Beck, Bob Dylan und Stevie Ray Vaughan. Interessanterweise begann seine musikalische Reise eigentlich hinter dem Schlagzeug, inspiriert vom Jazz-Drummer Gene Krupa, bevor er zur Gitarre fand. Diese vielschichtige musikalische Prägung hört man auf Roots & Wings deutlich heraus: Es ist ein Album, das sowohl die Wurzeln des Blues tief verankert als auch mutig in neue Territorien vordringt.
Aufgenommen im legendären Carriage House Studios als Power-Trio, entfaltet Burnham eine Gitarrenpräsenz, die weit über seine jungen Jahre hinausreicht. Seine Soli sind feurig und präzise, sein Ton verzerrt auf die Weise, die Hendrix-Fans sich sofort heimisch fühlen lässt. Doch Burnham spielt nicht einfach, er entwickelt weiter. Die groovy Blues-Rock-Riffs treffen auf reflektierende, freie Texte, die eine Reife zeigen, die jenseits der 20 Jahre liegt. Sein Gesang ist soulig und verinnerlicht, trägt eine emotionale Tiefe, die den Eindruck erweckt, als hätte er bereits ein ganzes Leben an Erfahrungen gesammelt.
Das Trio wird getragen von Ray Hangen am Schlagzeug, der Burnhams dynamischen Spieldruck mit kraftvollem, aber kontrolliertem Rhythmus unterstützt. Oft zwischen sanften Grooves und eruptiven Fills wechselnd, passen die perfekt zu seinen Soli. Matt Raymond am Bass legt im Hintergrund ein solides, melodiebewusstes Fundament, das dem Ganzen Raum lässt, ohne jemals unsichtbar zu werden. Zusammen bilden sie eine kompakte Einheit, die es Burnham ermöglicht, sich völlig frei auf der Gitarre auszuleben, während er trotzdem stets einen festen rhythmischen Boden unter den Füßen hat.
Fazit
Roots & Wings ist mehr als ein vielversprechendes Debüt, es ist die Bestätigung, dass Blues-Rock lebt und sich weiterentwickelt. Wie Burnham selbst sagt: „Blues, like nature, has to keep evolving." Er ehrt die Tradition, die „Roots", und gibt ihr gleichzeitig frische Flügel, die „Wings". Wer Jimi Hendrix liebt, muss dieses Album hören. Nicht weil es eine Kopie ist, sondern weil es zeigt, wohin der Blues-Rock der nächsten Generation gehen kann.
Meine Empfehlung: Für die Fans von Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan, modernem Blues-Rock, und alle, die glauben Blues sei „altmodisch".
Album Info
Titel: Roots & Wings
Interpret: Amani Burnham
Veröffentlichung: 29. Mai 2026 Blind Pig Records
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐ (10/10)