Blues Highlights


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Blues Highlights April 2026

Britische Intensität trifft auf analogen Retro-Sound und reduzierten Harmonica-Blues. Drei Alben, die die Spannbreite des Genres exemplarisch zeigen.

Während Danny Bryant die emotionale Wucht des britischen Bluesrocks zelebriert, entführt uns Alex Lopez zurück in die goldene Ära des gitarrenlastigen Rocks der siebziger Jahre. Den Abschluss bildet eine meisterhafte Lektion in Sachen traditioneller Mundharmonika-Blues, eingespielt in der relativen Abgeschiedenheit der niederländischen Provinz.

Die Alben im Überblick:

Den Auftakt macht ein Album, das bewusst auf analoge Klangästhetik setzt und den Geist der siebziger Jahre aufgreift.

Alex Lopez – Retro Revival

Kurzportrait Alex Lopez ist ein in Florida ansässiger Gitarrist und Sänger, der sich in den letzten Jahren einen Namen als Brückenbauer zwischen klassischem Rock und modernem Blues gemacht hat. Mit seiner Band The Xpress steht er für einen Sound, der die Energie der großen Power-Trios der Musikgeschichte atmet. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, komplexe Arrangements so organisch klingen zu lassen, als wären sie in einer einzigen Session auf Band festgehalten worden.

Die Review Der Titel Retro Revival ist bei diesem Album Programm. Lopez verzichtet bewusst auf moderne Produktionstricks und setzt stattdessen auf einen warmen, analogen Sound, der stark an Legenden wie Cream oder die frühen Santana erinnert. Besonders beeindruckend ist die Arbeit an der Hammond-Orgel, die vielen Titeln ein sattes Fundament verleiht. Lopez beweist hier, dass er nicht nur ein technisch versierter Gitarrist ist, sondern auch ein Songwriter, der den Fokus auf eingängige Hooks legt. Die Soli sind inspiriert und greifen oft die psychedelischen Nuancen des späten sechziger Jahre Blues auf. Es ist ein Album für Puristen, die den Klang einer röhrenden Gitarre und eines echten Schlagzeugs vermissen.

Empfehlung Für Hörer, die den Geist des Classic Rock in einem modernen Bluesgewand suchen und eine Vorliebe für fette Gitarrenriffs haben.

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Als zweites Album folgt ein deutlich emotionalerer Ansatz, der auf Dynamik und Intensität setzt.

Danny Bryant – Nothing Left Behind

Kurzportrait Danny Bryant gehört seit zwei Jahrzehnten zur Speerspitze des britischen Bluesrocks. Als Schützling des legendären Walter Trout hat er dessen emotionale Intensität geerbt und zu seinem eigenen Markenzeichen weiterentwickelt. Bryant ist bekannt für seine kompromisslose Ehrlichkeit auf der Bühne und seine Fähigkeit, sowohl mit einer neunköpfigen Big Band als auch im intimen Trio-Format zu glänzen.

Die Review Mit Nothing Left Behind liefert Bryant eines seiner bisher persönlichsten Werke ab. Das Album wurde unter der Regie von Produzent Ian Dowling aufgenommen und besticht durch eine rohe Direktheit. Bryant lässt seiner Gitarre hier viel Raum, die Soli sind lang, klagend und technisch auf höchstem Niveau. Auffällig ist die Abmischung der Vocals, die sehr nah am Hörer platziert sind, was die Melancholie der Texte unterstreicht. Besonders das Zusammenspiel zwischen den schweren Blues-Passagen und den fast schon balladesken Momenten erzeugt eine Dynamik, die man im modernen Bluesrock selten so konsequent findet. Bryant bleibt sich treu und liefert genau die Art von handgemachter Musik ab, bei der man jede Note physisch spürt.

Empfehlung Für Fans von druckvollem britischem Bluesrock, die emotionale Tiefe und ausgedehnte Gitarrensoli schätzen.

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Den Abschluss bildet ein reduzierter Zugang, der den Fokus auf das Zusammenspiel von Mundharmonika und Stimme legt.

Sugar Ray & The Bluetones – Blues From Sibculo

Kurzportrait Sugar Ray Norcia ist eine Institution an der Blues-Harmonika. Seit über vier Jahrzehnten prägt er den Sound des East Coast Blues, unter anderem als langjähriger Frontmann der Roomful of Blues. Begleitet von seiner Stammformation, den Bluetones, steht er für einen absolut stilsicheren Mix aus Chicago Blues und Swing-Elementen.

Die Review Das Album Blues From Sibculo ist ein besonderes Projekt, das während einer Europatournee in den Niederlanden entstand. Sibculo, ein kleiner Ort in der Provinz Overijssel, diente als Namensgeber für diese Aufnahmen, die vor Spielfreude nur so strotzen. Norcia beweist hier einmal mehr seine Meisterschaft an der chromatischen Harmonika. Sein Ton ist fett, präzise und tief im traditionellen Chicago-Stil verwurzelt. Die Bluetones agieren als perfekt eingespielte Einheit, wobei besonders das filigrane Gitarrenspiel von Rusty Zinn für die nötige Schärfe sorgt. Es ist ein sehr rhythmisches Album, das die akustische Nähe zum klassischen Club-Blues der fünfziger Jahre sucht und findet.

Empfehlung Für Liebhaber des klassischen Harmonika-Blues, die Wert auf erstklassiges Ensemble-Spiel und authentischen Gesang legen.

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Diese Ausgabe zeigt den Blues in drei sehr unterschiedlichen Facetten zwischen kraftvollem Band-Sound, nostalgischer Klangästhetik und reduzierter Direktheit. Gerade diese Spannbreite macht den Reiz des Genres aus und hält es lebendig.

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