BYD überholt Tesla – was ist passiert?
Der chinesische Autobauer BYD („Build Your Dreams“) konnte seine globalen E‑Auto‑Verkäufe 2025 um rund 28 Prozent steigern und liegt jetzt mit ca. 2,26 Millionen batterieelektrischen Fahrzeugen klar vor Tesla. Tesla dagegen verzeichnete im selben Zeitraum einen Rückgang der Auslieferungen um fast 10 Prozent auf rund 1,64 Millionen E‑Autos, der erste deutliche Einbruch nach Jahren des Wachstums.
Tesla galt lange als Synonym für Elektromobilität, doch der Markt ist erwachsen geworden. Vor allem in Europa und Teilen Asiens zeigen sich Kunden heute deutlich preissensibler und genau hier punktet BYD mit günstigen, aber technisch soliden Modellen.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
BYD hat Tesla nicht nur punktuell in einem Quartal überholt, sondern über das ganze Jahr 2025. Einige Kernzahlen helfen, den Machtwechsel einzuordnen:
BYD: rund 2,26 Mio. E‑Autos 2025, + ca. 28 Prozent gegenüber 2024.
Tesla: rund 1,64 Mio. E‑Autos 2025, – knapp 9–10 Prozent gegenüber 2024.
Bereits 2024 lag BYD bei der Produktion von BEV leicht vor Tesla (ca. 1,78 Mio. vs. 1,77 Mio.), während Tesla beim Verkauf noch minimal vorne war.
Dazu kommt: BYD verkauft zusätzlich Millionen Plug‑in‑Hybride und spricht in der eigenen Statistik von über vier Millionen „New Energy Vehicles“ im Jahr 2024, also ein deutlich breiteres elektrifiziertes Portfolio.
Warum BYD so stark ist
Der Aufstieg von BYD ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer sehr konsequent gedachten Strategie.
Vertikale Integration: BYD produziert Batterien, Antriebstechnik und viele Komponenten selbst und muss weniger zukaufen. Das drückt die Kosten und macht aggressive Preise möglich.
Breites Modellangebot: Vom günstigen Stadtauto bis zur Mittelklasse‑Limousine deckt BYD viele Preispunkte ab, an denen Tesla oft nur mit einem oder zwei Modellen präsent ist.
Heimmarkt China: China ist mit Abstand der größte E‑Auto‑Markt der Welt; dort werden laut Analysen inzwischen rund 60 Prozent der globalen E‑Autos verkauft. BYD ist genau dort besonders stark und expandiert von dort gezielt nach Europa, Lateinamerika und andere Märkte.
Hinzu kommt massive staatliche Unterstützung: China fördert E‑Autos seit Jahren mit Subventionen, Industriepolitik und einer bevorzugten Infrastruktur. BYD ist einer der Hauptprofiteure dieser Linie und kann so auch international mit sehr wettbewerbsfähigen Preisen auftreten.
Tesla unter Druck
Tesla profitiert weiterhin von einem starken Markennamen, aber das Umfeld hat sich deutlich verändert.
Nachfragerückgang: In den USA wurden Steueranreize für E‑Autos reduziert oder gestrichen, was Teslas Absatz ab 2025 spürbar bremste.
Schwächere Zahlen in Europa: In wichtigen europäischen Märkten gingen die Tesla‑Zulassungen 2025 deutlich zurück; in einigen Ländern wird von Rückgängen im zweistelligen Prozentbereich berichtet.
Imagefaktor: Kontroversen um Elon Musk und sein politisches Auftreten haben dem Markenimage insbesondere in Europa geschadet, wo Tesla lange als progressives Vorzeigeunternehmen galt.
Tesla setzt weiter stark auf Software, autonomes Fahren und einen Tech‑Markenauftritt. Im harten Preiswettbewerb mit BYD und anderen Anbietern geraten diese Premium‑Argumente jedoch immer öfter in Konflikt mit der Frage: „Wie viel E‑Auto bekomme ich für mein Geld?“.
Geopolitik: Zölle, Subventionen, Standortkampf
Die Wachablösung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist eingebettet in einen intensiven industriepolitischen Streit zwischen China, USA und EU.
USA: Hohe Strafzölle und politische Vorbehalte verhindern faktisch, dass BYD derzeit in den US‑Markt eintritt. Für Tesla ist der Heimatmarkt damit zwar geschützt, aber das globale Bild verschiebt sich trotzdem zugunsten der Chinesen.
EU: Die EU reagiert mit Anti‑Subventionsverfahren und zusätzlichen Zöllen auf chinesische E‑Autos, versucht aber gleichzeitig, ihre Klimaziele und den Ausbau der Elektromobilität nicht auszubremsen. BYD plant daher Werke in Europa (z. B. Ungarn), um näher am Markt zu produzieren und Zölle zu umgehen.
China: Beijing stützt seine Industrie durch Förderprogramme, günstige Kredite und eine konsequente Technologiepolitik. E‑Autos sind ein für die Regierung auch strategisches Zukunftsthema.
Der Streit dreht sich also nicht nur um einzelne Marken, sondern um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität.
Was bedeutet das für E-Auto-Kunden?
Für Kundinnen und Kunden könnte der Machtwechsel am Ende sogar positiv sein.
Mehr Auswahl: BYD und andere chinesische Hersteller bringen zunehmend Modelle in Segmente, in denen es bisher nur wenige (und oft teure) E‑Autos gab.
Preiswettbewerb: Sinkende Durchschnittspreise für E‑Autos sind ein realistisches Szenario, wenn BYD und Co. ihre Kostenvorteile auch in Europa ausspielen können.
Innovationsdruck: Tesla, europäische und japanische Hersteller müssen schneller bei Software, Effizienz und Ladeinfrastruktur nachziehen, was die Technik am Ende für alle verbessert.
Auf der anderen Seite wird das Thema „China‑Abhängigkeit“ politisch immer kritischer gesehen. Die Debatte, ob Klimaschutz, Industriepolitik und Sicherheit zusammenpassen, wird die Elektromobilität in den nächsten Jahren mindestens genauso prägen wie neue Batterien oder Reichweitenrekorde.
Quellen
– New York Times: „China's BYD Surpasses Tesla as World Leader in Electric Car Sales“ (02.01.2026).
– Statista: „BYD Surges Past Tesla to Become World's Leading EV Brand“ (04.01.2026).
– Statista: „Global battery electric vehicle deliveries – Tesla vs. BYD“ (2025).
– Silicon Republic: „China's BYD topples Tesla as top battery EV seller“ (04.01.2026).
– EV Volumes / Statista: Marktanteile und globale E‑Auto‑Verkäufe 2023–2025.
– Analysen zu chinesischer Industriepolitik und internationalen Zöllen auf E‑Autos (u. a. CSIS, CER, Berichte zu EU‑ und US‑Zöllen).
– Hintergrundberichte zu BYD, Tesla und dem globalen E‑Auto‑Markt in 2025/26.